OP und K.O.

Content note: Operation, Depression, Gewicht

Ich melde mich mal kurz aus der Versenkung weil es etwas zu berichten gibt (obwohl ich eigentlich zu müde zum geradeausdenken und -schreiben bin): die Krankenkasse hat die Mastektomie genehmigt und ich habe schon übernächste Woche den OP-Termin.

Uff.

Ich versuche gerade irgendwie einfach gar nicht dran zu denken, weil ich vor der Narkose ziemliche Angst habe. Mein Körper reagiert durch meine etwas überaktiven Mastzellen (die produzieren Histamin und das macht dann Symptome wie bei einer starken Allergie) nicht so gut auf solche Sachen und ich hab bei meiner letzten OP echt lange gebraucht bis ich wieder auf den Beinen war.

Jetzt habe ich mal wieder das Gefühl ich „sollte“ erleichtert sein oder mich freuen, aber Pustekuchen. Ich bin schon seit Wochen so erschöpft und fertig, dass ich gefühlt kaum meinen Alltag geregelt bekomme. Ich nehme alles um mich rum nur noch wie durch  Watte wahr…ich bin einfach so, so müde die ganze Zeit. Erst Abends wird es irgendwann ein bisschen besser, da habe ich wenigstens manchmal das Gefühl halbwegs klar denken zu können. Es könnte was Organisches sein, aber ich hab eher die Befürchtung dass es schlicht und einfach Symptome von Depression sind. Es ist so, als würde mein Körper zwar noch einigermaßen funktionieren, aber mein Kopf nicht mehr. Ich bin wie auf Autopilto. Dazu kommt Appetitlosigkeit und das Gewicht ist die letzten Wochen kontinuierlich runtergegangen. Fast alles was ich mir durch das Krafttraining so hart erarbeitet habe ist wieder runter. Das frustriert mich noch zusätzlich.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich durch die OP und die Krankschreibung mal zwei Wochen ein bisschen auf Standby laufe… aber ein Erholungsurlaub wird das wohl leider auch nicht – vor allem weil auf der Arbeit gerade so viel anbrennt.

Wie gesagt: Uff.

weiterimtext

Danke für alle Eure lieben Kommentare und Nachrichten! Ich hab‘ immer die Sorge, dass es „zu viel“ ist was ich hier schreibe. Zu schwer auszuhalten für andere. Überfordernd. Aber diese Gedanken und Gefühle müssen trotzdem raus und ich vertraue einfach mal darauf, dass ihr mit Euch gut umgeht und Euch auch zugesteht diese Dinge nicht zu lesen, wenn sie für Euch gerade zu belastend sind.

Nächste Woche geht die Gruppentherapie los und ich freue mich fast ein bisschen – weil es eine Chance darauf ist, dass sich etwas verändert. Ich wünsche mir einen festen Termin in der Woche, in dem ich Sachen in einem geschützten Rahmen bearbeiten kann. Aber ich habe natürlich auch ein bisschen Angst davor wie die Gruppenzusammensetzung sein wird und dass ich als einzige trans* Person in einer Gruppe von cis Menschen ziemlich viel werde erklären müssen (und zwar jedes Mal wieder von vorn, wenn jemand neues in die Gruppe kommt). Dass die anderen mich nicht verstehen. Aber ich schätze mal, dass es den anderen – noch unbekannten – Gruppenmitgliedern ganz ähnlich geht. Und dass es wahrscheinlich gar nicht so wichtig ist, ob die anderen jetzt wirklich nachfühlen und bis ins Detail verstehen können, was bei den anderen Gruppenmitgliedern los ist. Wichtig ist vielleicht eher, dass wir irgendwie eine „Gruppendynamik“ hinkriegen die uns irgendwie das bietet was wir brauchen. Schutz, Reibung, Reflektion… Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Ich bin gespannt!

Damit keine Langeweile aufkommt, habe ich mir die Zeit bis dahin mit privaten und beruflichen Terminen vollgestopft.

No Leerlauf till Brooklyn! ;-)

 

 

All the pain money can buy

 

Content note: Depression, Suizidgedanken

Ich hänge durch. Die letzten Tage waren irgendwie schlimm und ich sehr traurig. Ich zweifele im Moment und hinterfrage die Entscheidungen, die ich in den letzten zwei Jahren getroffen habe. Diese Zweifel sind beängstigend und es hat eine Weile gedauert bis ich verstanden habe, dass es bei der Frage „hätte ich besser als Frau weitergelebt?“ nicht darum geht wer ich bin oder nicht. Es ist kein Zweifel an meiner Identität, sondern Ausdruck der Trauer darüber, dass ich die allerwichtigste Bezugsperson in meinem Leben verloren habe durch die Entscheidung im richtigen Geschlecht (oder zumindest einem richtigeren) zu leben. Mein Mann, egal wie er sich jetzt auch verhält, war sehr lange bedingungslos für mich da und er war der einzige Mensch, bei dem ich mich sicher und aufgehoben gefühlt habe. Das bekomme ich nie zurück.

In den letzten Tagen habe ich mir ein paar Mal gewünscht, ich hätte ihm nicht erzählt was mit mir los ist. Ich hab mir ein paar Mal gedacht „das war es nicht wert“. Und mir ist sehr klar, dass ich wahrscheinlich nicht in einem Stück hier sitzen würde, wenn ich nicht angefangen hätte mein Leben zu ändern, aber trotzdem fühlt es sich in diesem negativen Strudel an, als sei es das nicht wert gewesen. In solchen Momenten denke ich bei mir „dann wär die ganze Scheiße halt jetzt schon vorbei und das wäre auch ok“. Diese Gedanken sind am Samstagabend sehr eskaliert, aber bevor sonst noch was eskalieren konnte ist mein Mann nach Hause gekommen und ich hab den Weg ins Bett gefunden und geschafft einzuschlafen. Sonntag habe ich vornehmlich heulend und Serien guckend im Bett und auf der Couch verbracht und heute war ich bei meinen Eltern und bin nachmittags noch eine Runde mit dem Rad gefahren. Morgen gehe ich wieder arbeiten und hab dann hoffentlich einfach nicht mehr so viel Zeit, diese quälenden Gedanken zu denken. Frei haben tut mir auf einer bestimmten Ebene echt nicht gut, obwohl ich kräftemäßig ziemlich am Limit war und die freien Tage dringend gebraucht habe.

Samstag hatte ich übrigens noch einen Anruf von der zweiten Begutachtungsperson. Ganz großes Kino. Das mit dem Gutachten ist so schwierig, weil die drölfzigtausend Fragebögen die ich ausfüllen musste ergeben haben, das eine Depression vorliegt. Mach‘ Sachen?! Warum ich die denn wahrheitsgemäß ausgefüllt hätte? Tja. Die Ironie ist, dass ich zu der Person sagte „Wenn ich die ausfülle werden Sie feststellen, dass ich eine Depression habe“ und als Antwort bekam „Das hat keinen Einfluss“. Und es ist nicht so, als hätte ich nicht überlegt, wie wahrheitsgemäß ich antworte (und bestimmte Sachen habe ich halt überhaupt nicht erwähnt – Suizidgedanken zum Beispiel). Aber: ich habe dort nach dem Gespräch bestimmt fünf verschiedene ziemlich umfangreiche Fragebögen ausgefüllt, die alle letztlich was ähnliches testen, alle mehr oder wenig ähnlich fragen, aber halt nicht exakt identisch. Und einen Fragebogen sollte ich zu Hause ausfüllen. Nicht wahrheitsgemäß zu antworten hätte wahrscheinlich zu irgendwelchen ziemlich auffälligen Ungereimtheiten geführt – und die Sorge, mich deswegen noch mehr von diesem Mist über mich ergehen lassen zu müssen war mindestens genauso groß, wie die Sorge das die Depression Probleme macht. Tja. Vor dem Gutachten gruselt es mich jedenfalls jetzt schon, weil ich am Telefon ein paar Sachen zu hören bekam die ich angeblich gesagt haben soll, die ich aber definitiv nicht gesagt habe.

Kackcistem.

Haha, außerdem hab ich jetzt einen Ohrwurm weil ich googeln musste woher eigentlich der Beitragstitel noch mal kommt. Ist der Titel eines Fastball-Albums mit zwei Songs, die ich rauf und runter gehört habe damals:

„Nowhere road“ und „Out of my head“.

Tja.

Impostor

Heute war die nächste probatorische Sitzung beim neuen Therapeuten und wir machen uns langsam an die konkreten Vorbereitungen des Antrags an die Kasse. Das bedeutete heute, dass wir noch mal versucht haben alles, was ich an „Symptomen“ so mit mir rumtrage zu dokumentieren. Damit hat der Therapeut mich insofern kalt erwischt, als wir letztes Mal vereinbart hatten, wir würden uns das Biografische anschauen.

Symptome? Meine Gefühle, Ängste, „Macken“ beschreiben zu müssen ist ein Garant dafür, dass ich augenblicklich jede Erinnerung ans „schlecht Fühlen“ und jeden Kontakt zu mir selbst verliere.

Ich habe dann das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, dem es in Wirklichkeit überhaupt nicht schlecht (genug) geht. Schließlich geht es anderen so viel schlechter als mir. Und ich gehe ja noch arbeiten, mache regelmäßig Sport. Bin ja gar nicht komplett abgestürzt. Dass dieses ganze (scheinbare) Equilibrium entsetzlich zerbrechlich ist und wahrscheinlich sofort kaputt geht, wenn ich die Kontrolle über ein winziges Detail verliere, zählt ja schließlich nicht.

Leider habe ich dann in Situationen, in denen ich schildern soll wie es mir geht, zusätzlich noch das Gefühl, keine adäquaten Worte zu finden. Und ich glaube, ich wirke in diesen Situationen halt auch nicht niedergeschlagen oder traurig (hello, internalisierte Stereotype über Depression, ich hör euch trapsen). Das ist nichts, was ich anderen zeigen kann oder vielleicht will. Und dann spiele ich Dinge runter. Das habe ich heute leider auch gemacht, aber insgesamt habe ich mich für meine Verhältnisse ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt.

Uff.

Außerdem habe ich jetzt auch den zweiten Begutachtungstermin – der ist in zwei Wochen, wobei ich bei dieser Person zwei Termine wahrnehmen werden müsse.

Und ich hab endlich in der Hormonepraxis angerufen, um sie an den Bericht für meinen Mastekantrag zu erinnern. Darauf warte ich jetzt auch schon sechs Wochen. Eigentlich soll ich den auch zum Begutachtungsgespräch nächste Woche mitbringen, aber das wird wohl eher nix.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was?

Weitermachen

Content note: Körper, Körperbild, (kontrolliertes) Essen, Gewicht

Danke für Eure lieben Kommentare/Nachrichten zum letzten Post <3.

Ich habe wenig geschlafen letzte Nacht, aber immerhin irgendwann zwischen zwei und fünf von Katzenbabys geträumt. Ich weiß auch nicht woher die kamen. Aber sie waren besser als die anderen Sachen, die ich im Moment regelmäßig träume. Zum Beispiel, dass meine Stimme sich wieder zurück verändert und heller wird.

Die Angst, die sich darin ausdrückt überträgt sich insgesamt darauf, wie ich mich im Moment wahrnehme. Ich habe das Gefühl, als würde Testosteron nicht (mehr) wirken. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich wieder viel stärker „weibliche“ Gesichtszüge. Das bilde ich mir aller Wahrscheinlichkeit nach ein, aber es ist schwer für mich das auszuhalten. Ich hasse die Form meines Körpers, die Taille, die Hüften, die Unfähigkeit Muskelmasse aufzubauen. Der erste Impuls den ich in solchen Phasen habe ist oft, weniger und kontrollierter zu essen. Das ist so ein Muster, das drin ist und das noch nicht mal bewusst abläuft. Und es ist eine dieser dysfunktionalen, destruktiven „Strategien“ von denen ich gestern geschrieben habe. Allerdings kriege ich es mittlerweile gut hin, schnell dagegen zu steuern. Irgendwann in den letzten zwei Jahren hat es bei mir „klick“ gemacht und ich habe verstanden, dass ich das Ziel „mehr Muskeln“ nicht erreiche, wenn ich zu wenig esse. Aber gleichzeitig erlebe ich halt wie mir mein Körper bei dem Ziel „Muskelmasse“ immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Und mich damit zu arrangieren dass ich nunmal so „ticke“ und mein Metabolismus halt so ist und sich das wohl auch nicht ändern wird – Testo oder nicht – ist für mich schon schwer. Dieses „mich besser arrangieren“ wäre wohl eins der Therapieziele für die Fortführung der Psychotherapie.

***

Heute morgen bin ich dann sehr übermüdet und gerädert eine Wohnung anschauen gefahren, mal wieder. Sie war…okay…aber ziemlich weit draußen. Mein Weg zur Arbeit würde sich damit etwa verdreifachen, da muss ich noch mal drüber schlafen.

Aber als ich da durch die verschneite Landschaft fuhr, immer schön bergauf, habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich mich darauf freue im Frühjahr wieder auf dem Rad zu sitzen und die „Berge“ dort hochzufahren. Immerhin. Anders als Schwimmen und Fitnessstudio ist das zumindest nichts, wo ich mich mit binären Umkleiden und meinem halbnackten Körper konfrontieren muss. Es ist gut, dieses Ventil noch zu haben. Ich hoffe, dass das Wetter bald wieder mitspielt und ich zumindest wieder ein bisschen radfahren kann.

Jetzt werde ich ein Brot backen und versuchen, irgendwas außer Kaffee in mich reinzubekommen. Und vielleicht noch ein bisschen zu schlafen. Heute Nachmittag und den Abend bin ich unterwegs, ich hoffe das wird okay.

Therapiekram

Content note: Es geht ab dem 4. Absatz um Depression

Heute versuche ich mal, mich nicht aufzuregen ;). Stattdessen ein paar Updates zur Therapiesituation.

Gestern hatte ich die vierte probatorische Sitzung bei dem neuen Therapeuten. Ich hatte ja die Aufgabe, mir Gedanken bezüglich Einzel- oder Gruppenanalyse zu machen und meine Idee, in die Gruppe zu gehen fühlte sich weiterhin richtig an. Meine Hauptsorge (also, neben „HILFE MENSCHEN“) war, dass ich es von den Terminen nicht mit meinen häufigen Dienstreisen unter einen Hut bekomme. Ich hatte eine kleine „Auswertung“ gemacht, wieviele Termine ich im letzten Jahr so hätte ausfallen lassen müssen. Das bewegte sich für Montag, Dienstag und Freitag um die 4-5 Mal, Mittwochs und Donnerstags um die 9 Mal. Jeweils ohne Urlaub. Puh. Ein bisschen konnte der Therapeut mir meine Sorge gestern nehmen – es gibt auf jeden Fall eine Montagsgruppe, in die ich einsteigen könnte – eventuell nur nicht sofort. Das würde ich aber in Kauf nehmen.

Es steht auch im Raum, dass eine neue Gruppe aufgebaut wird. Das wäre mir noch lieber, weil es für mich die ohnehin schon recht hohe Hürde etwas absenken würde. Ich tue mich mit Gruppen schon schwer, wenn ich alle Personen kenne. Komplett neu in eine schon bestehende Gruppe zu kommen ist ziemlich hart. Wäre dann halt auch ein Lerneffekt und ich würde das sicherlich hinbekommen, aber es wäre schon ganz schön viel. Und die neue Gruppe soll eventuell morgens sein, was für mich sogar ganz cool wäre.

Insgesamt hat mir das jetzt jedenfalls meine Sorgen bezüglich der „logistischen“ Machbarkeit einer Gruppentherapie etwas genommen – ob es aber wirklich klappt erfahre ich erst so in zwei Wochen. Es wäre so super, wenn meine Suche nach einem Therapieplatz damit ein Ende hätte. Allerdings geht dann der Hickhack mit der Krankenkasse los. Ich bin nach den letzten Erfahrungen eher skeptisch, dass das mit der Bewilligung reibungslos geht. Ich mag gar nicht dran denken, was mir da gegebenenfalls noch blüht :-/.

Den Rest der Stunde haben wir dann noch über verschiedene Sachen gesprochen, ohne aber in die Tiefe zu gehen. Ich hab aber in dem Gespräch irgendwie noch mal realisiert, dass ich tatsächlich ziemlich „klassische“ Symptome einer Depression habe. Bei mir sind das momentan: ständig müde sein; nicht schlafen können; mich überhaupt nicht konzentrieren können; Hoffnungslosigkeit und das Gefühl komplett überfordert mit allem zu sein. Und noch ein paar andere Sachen. Besonders auf der Arbeit weiß ich gerade nicht, wie ich das noch auf die Reihe kriegen soll – ich hab das Gefühl, maximal auf 10-15% meiner „eigentlich möglichen“ Leistungsfähigkeit zu sein und ich habe Angst, dass mir das irgendwann komplett um die Ohren fliegt.

Der Therapeut fragte, ob die depressive Stimmung eine Folge der Hormontherapie sein könnte. Ich hatte da so unmittelbar keine Antwort drauf. Ich habe gehört/gelesen, dass es bei einer Therapie mit Östrogen und Testosteronblockern schon mal zu Depressionen kommen kann, aber die Gabe von Testosteron hatte ich bis jetzt immer eher mit einer Stabilisierung/Verbesserung der Stimmung in Verbindung gebracht. Allerdings habe ich in meiner social bubble noch mal rumgefragt und ein paar gute Hinweise bekommen <3. Ich werde jetzt u.a. noch mal meine Vitamin D und Schilddrüsenwerte überprüfen lassen. Das ist eh lange überfällig, da beides Baustellen sind bei mir. Wenn da was nicht in Ordnung sein sollte könnte das zumindest _mit_ erklären, warum ich schon seit Monaten so im Loch hänge und kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht ist.

Ein paar Aufreger hab ich auch noch, aber die erzähle ich ein anderes Mal ;-).

Blick zurück nach vorn

Ja, der Titel ist ein bisschen abgedroschen (und ich würde nicht ausschließen, dass ich ihn schon mal benutzt habe ^^) – aber er passt trotzdem zu diesem Beitrag.

Heute bin ich auf die Webcomics von Julia Kaye gestoßen. Sie verarbeitet darin ihre Erfahrungen während der Transition und vor allem auch den Umstand, dass es viele schwierige Phasen gibt – nicht nur, weil die Umwelt es uns manchmal schwer macht, sondern halt auch weil sich mit Beginn der Transition eben nicht alle Selbstzweifel, aller Selbsthass in Wohlgefallen auflösen.

Irgendwie brauchte ich das gerade… diese Bestätigung, dass ich mit der Erfahrung nicht allein bin. Wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue habe ich das Gefühl, dass es mir alles in allem nicht besser geht als noch vor 12 Monaten. Es gibt da natürlich Aspekte, die sind 400% besser und ich bin sehr dankbar dafür: mehr und mehr von Fremden richtig „gelesen“ werden zum Beispiel. Überhaupt fast zu 100% mit dem richtigen Namen und der richtigen Anrede angesprochen zu werden. Meine Stimme mögen. Aber: mein Verhältnis zu mir selbst hat sich nicht grundsätzlich verbessert und das führt mich gerade in gefühlt immer häufigere (bzw. länger andauernde) und tiefere Krisen.

Ich wusste zu Beginn der Transition, insbesondere auch der Hormontherapie, dass sich dadurch nicht alle meine Probleme lösen würden. Aber das theoretisch zu wissen und es dann zu erfahren sind leider zwei Paar Schuhe und ich war auf die Heftigkeit dieser Erfahrung nicht wirklich vorbereitet. (Ich weiß auch nicht, ob man sich wirklich auf so etwas vorbereiten kann). Und natürlich bin ich enttäuscht und traurig, dass es für mich keinen Transitionsfreifahrschein raus aus der Depression, raus aus den Selbstzweifeln und der Selbstablehnung gibt.

Hätte ich irgendetwas anders gemacht, hätte ich vorher genau gewusst, wie es mir jetzt geht? Ich denke nicht. Außer dass ich vielleicht versucht hätte sicherzustellen, dass ich eine adäquate therapeutische Begleitung habe.

Jedenfalls bin ich heute auf diesen Comicstrip gestoßen und werde dran arbeiten, dass ich das in 2017 bin: