Menschen im Hotel

Nachdem ich Ostern einen Anruf wegen eines der Gutachten für das Personenstandsänderungsverfahren bekam hatte ich ja kurz die Hoffnung, ich könnte bald zumindest dieses Gutachten in Händen halten. War wohl nichts. Diese Warterei, ey! Selbst wenn ich geduldig wäre (was ich nicht bin) – bis hierhin hätte mein Geduldsfaden ganz bestimmt nicht gereicht! Jedes Mal, wenn ich im Alltag mit der Nase drauf gestoßen werde, dass ich und meine Papiere nicht mehr zusammen passen, bin ich mittlerweile genervt. Und leider wurde ich in letzter Zeit ziemlich oft drauf gestoßen.

Ich bin zum Beispiel relativ sicher, dass ich bei einer Mietwohnung für die ich mich letztes Wochenende beworben habe (nachdem mir eine liebe Person gut zuredete und sagte, dass es manchmal total stimmig sein kann, den vierten Schritt vor dem ersten zu machen) direkt aus der Auswahl rausgekickt wurde, weil ich halt eine Schufa-Auskunft und Gehaltsabrechnungen im alten Namen habe. Denn was mir die vermietende Person dort vor Ort über den Ablauf des Auswahlverfahrens sagte und wie es dann tatsächlich lief stimmte überhaupt nicht überein. Kann sein, dass ich Gespenster sehe, aber es war schon eher merkwürdig und passt auch zu der Skepsis und Irritation, die ich wahrgenommen habe als ich die Diskrepanz zwischen dem richtigen und dem alten Namen erklärt habe.

Oder Anfang der Woche, beim Einchecken ins Hotel. Es ist immer Glückssache, ob die Rezeption den Ausweis sehen will oder nicht. Die Person in diesem Hotel wollte. Argh! Ich reichte den Ausweis mit der Erklärung rüber, das dort noch mein alter, weiblicher Name eingetragen sei. Guckte wieder runter auf das Formular, das ich ausfüllen sollte. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie die Person den Ausweis studierte und ihn einer zweiten Person an der Rezeption zeigte. Oha.

Ich guckte wieder hoch und hörte ein vorsichtiges, etwas betreten klingendes: „Ich müsste doch noch mal nachfragen…..?“ Es war der Person offensichtlich unangenehm nachfragen zu müssen, was ich wiederum ganz putzig fand :D (Ich glaube, es war eventuell jemand in der Ausbildung). Also habe ich versucht zu erklären: „Ich bin gerade im…“ – und dann wollte ich nicht Personenstandsänderungsverfahren sagen weil DAS hätte bestimmt nicht geholfen beim Verständnis geholfen – „…im Übergang“ ergänzte dann Person 2 an der Rezeption. Uff. Genau.

Damit schien das dann geklärt und ich wollte direkt meine Rechnung mit der EC-Karte zahlen, bevor ich das am nächsten Morgen beim Auschecken noch mal hätte erklären müssen. Nur, die EC-Karte funktionierte nicht. Da brach mir dann doch kurz der Schweiß aus und ich sah schon die Schlagzeilen in der lokalen Boulevardpresse: „EC-KARTENBETRÜGER GIBT SICH ALS FRAU AUS“.

Beim vierten Durchziehen funktionierte dann die Karte aber glücklicherweise und ich hab sogar geschafft, den PIN korrekt einzugeben. Wenn ich das jetzt in den Sand gesetzt hätte, hätte ich vielleicht besser woanders übernachtet. (Am nächsten Tag stellte sich übrigens heraus, dass ich gar nicht hätte zahlen müssen, weil mein Arbeitgeber das schon übernommen hatte xD).

Das war jetzt nicht so schlimm und die Hotelmitarbeiter*innen waren ja sehr nett – aber fehlen werden mir diese Momente eher nicht, wenn ich irgendwann mal die richtigen Papiere habe.

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Oh, wisst ihr was – ich schulde Euch noch den 365 Tage Testo Post! Den habe ich am Tag selbst vor lauter Wohnungsbesichtigungsstress glatt vergessen. Ich hole den Beitrag nach, versprochen :).

 

Planes, trains, hotels

Drei Viertel meines Dienstreisemarathons liegen hinter mir. Puh. Ein Vortrag, zwei Workshops. Flugzeuge und Züge. Heißt halt auch: Sicherheitschecks und Ticketkontrollen mit Ausweis als Identifikation. Beides hat bei mir im Vorfeld ein bisschen für Bauchschmerzen gesorgt. Kein Drama, aber ich könnte gut ohne diesen Extrastress leben.

One day!

Am Flughafen wartet der Körperscanner beim Sicherheitscheck auf mich. Der mag keine Binder – da wird dann im Brustbereich durch das komprimierte Gewebe angezeigt: „da ist was, was (bei Männern*) da nicht hingehört“. Mich stresst diese Situation – auch, weil ich nicht weiß, wie die Leute vom Sicherheitspersonal mich lesen und zu wem sie mich zum „Abtasten“ schicken. Dieses mal wurde ich „zum Kollegen“ geschickt. Der guckte mich dann erstmal aber ziemlich irritiert an und fragte, ob ich Mann sei. „Ja“. Er guckt weiter skeptisch, ich hebe an zu erklären, dass ich ein Kompressionsshirt trage. Er unterbricht und fragt wieder, „Mann?“. Jahaaaaaa. Das Abtasten war dann zum Glück schnell vorbei, aber diese Angst „aufzufliegen“ ist echt unangenehm. Und am Montag darf ich das gleiche nochmal machen.

Die Zugfahrt am Mittwoch wurde dann dadurch spannend, dass die Dienstreisestelle das Ticket in einer Verkettung unglücklicher Umstände auf den männlichen Namen gebucht hatte – dieses dann aber mit meinem Personalausweis auf den alten Namen als Identifikation verknüpft hat. Auch wenn ich das sicher ohne größere Probleme zu bekommen hätte klären können (zumal es kein Sparticket war und ich auch den dgti-Ergänzungsausweis habe), habe ich wirklich keine große Lust, in einem Großraumabteil voller Menschen zu erklären, was da los ist. Also wieder Schwitzen auf der Hin- und Rückfahrt. Vor allem, als die Zugbegleitungsperson sich den Ausweis gaaaanz genau anguckt. Helpppp! War dann aber anscheinend OK, oder die Diskrepanz ist nicht aufgefallen.

Bei der letzten Dienstreise war es dann so, dass die Dienstreisestelle das Hotel auf den weiblichen Namen gebucht hatte. Das ist prinzipiell nicht problematisch, aber ich hab so absolut keine Lust mehr, irgendwo als „Frau Sowieso“ angesprochen zu werden. Naja. Ich dachte, lass es einfach über mich ergehen und gut ist. Ich kam abends mit einigen Kolleg*innen dort an und hab mich als letztes in die Schlange gestellt, weil ich nicht wollte, dass die das mit dem Namen eventuell mitbekommen. Da waren zwei dabei, die mich nur als „Herr Tomi“ kennen. Als ich dann dran war meinte ich nur, ich hätte eine Reservierung für „Nachname“. Rezeptionsperson sucht im Computer….wiederholt noch mal fragend den Nachnamen und fand offenbar nicht das richtige. Ich sagte dann sowas wie „Da steht wahrscheinlich noch ein falscher Vorname“. „Ah, ja! Deswegen habe ich das nicht gefunden, das passte ja nicht! Dann ändern wir das gleich“. Offensichtlich hatte die Person mich als männlich gelesen_gehört und das mit dem weiblichen Namen nicht zusammenbekommen.

Bitte was?

Made my day! :D Und es nimmt mir ein bisschen die Angst, die ich immer noch habe, wenn ich auf binär getrennte Toiletten gehen muss. Also, aufs Herren WC. Ich hab immer noch Sorge, dass mich jemand schief anguckt oder anspricht. Am Bahnhof in Frankfurt bin ich zur Toilette und dachte, schnell rein, schnell raus. Und dann war da eine ziemlicher Auflauf. Erst vor der Toilette stehen, dann vor den Kabinen warten. Schwitzen. Auf den Boden starren, bloß niemanden versehentlich ansehen. Aber auch das habe ich unbeschadet überstanden.

Jetzt ist erstmal Wochenende. Ich hab meinen Mann gebeten, dass wir morgen endlich über das Haus reden. Das steht jetzt für morgen nachmittag auf dem Plan. Abends ist er zum Glück weg. Sturmfreie Bude. Da kann ich mich dann je nach Stimmungslage nach dem Gespräch wahlweise verkriechen oder auf dem Tisch tanzen.