So, so müde

Leute, was waren die letzten Tage für ein Höllenritt. Ich bin so fertig mit der Welt. Montag: Anhörung vor Gericht. Dienstag: Trennungsvereinbarung beim Notar. Schwarz auf weiß haben, dass die Ehe vorbei und die Beziehung am Ende ist. Noch vorher erfahren, dass die Bank meines Mannes die Entlassung aus dem alten Kredit nicht zeitnah bewilligt, sondern plötzlich eine ziemliche Menge Bedingungen stellt. Seit gut drei Wochen wissen die, das ich dieses Schreiben benötige für die Finanzierung der neuen Wohnung. Eine Woche vor dem Kauftermin kommen sie damit. Ich bin so wütend. Ich hätte den Kauftermin gar nicht auf nächste Woche gelegt, wenn ich das gewusst hätte – die haben mich ins offene Messer rennen lassen.

Dann seit Mittwoch hin und her mit dem Kreditvermittler und der Bank, die die Wohnung finanzieren soll. Keine Finanzierung ohne die Schuldentlassung. Dann ging es um die Frage ob vielleicht eine Reduzierung der Rate für den alten Kredit Abhilfe bringt. Da hat mein Mann sich dann aber leider verrechnet und die Reduzierung, die wir hätten erreichen können, hätte nicht ausgereicht. Die neue Bank rechnet halt so: so lange ich in der Haftung mit drin bin, wäre das worst case scenario dass ich beide Raten tragen muss. Das ist mit meinem Gehalt nicht darstellbar. In der Nacht kaum geschlafen, mal wieder.Völlig übermüdet und aufgelöst ins Büro.

Heute vormittag wurde dann klar, dass die Variante mit dem Ratenabsenken nicht funktioniert. Dann schlug der Kreditvermittler vor, auf ein Angebot einer anderen Bank zu gehen, die nicht auf die Entlassung aus der Schuldhaftung besteht. Die hätte die Verträge bis zum Notartermin zwar nicht fertig gemacht, würde aber eine Finanzierungsbestätigung schicken. Das reicht fürs erste. Drüber nachgedacht. Zugestimmt. Ich bekomme die Unterlagen per Mail zugeschickt. 20 Minuten später ein Anruf: die Bank macht die Finanzierung auch nicht. Weil: Meinem Mann eine vermietete Eigentumswohnung gehört und die Miete, die er für diese Wohnung nimmt laut deren Berechnungsmodell zu niedrig ist um die Kosten für diese Wohnung zu decken. Das ist so absurd. Ich war zu dem Zeitpunkt ohnehin aber so durch, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Damit hab ich den Kreditvermittlungsmenschen erstmal in die Wüste geschickt (naja, aufs Abstellgleis).

Mittlerweile stand auch fest, dass die Bank meines Mannes uns nicht mal einen Zeitrahmen sagen kann/will bis zu dem sie die Entscheidung bezüglich meiner Entlassung aus dem Kredit trifft. Das heißt ich hätte noch nicht mal den Kauftermin beim Notar verschieben können, weil ich nicht weiß wie lange das noch dauert. Letzter Strohhalm: bei mir lag noch ein Finanzierungsangebot von der Bank, über die auch die Immobilie vermittelt wurde. Es ist kein schlechtes Angebot, aber es hat einen Unsicherheitsfaktor (Bausparvertrag) und ich hatte mich deswegen eigentlich dagegen entschieden – auch weil es sehr kompliziert zusammengebaut ist und die Konstruktion für mich nicht gut verständlich ist. Aber egal. Die Bank besteht laut telefonischer Auskunft nicht auf der Entlassung aus der Schuldhaftung. Ich hoffe inständig, dass sie dabei bleiben. Ich traue mich nicht drüber nachzudenken was ist, wenn das nicht klappt. Und weil ich am Dienstag auch noch auf Dienstreise bin habe ich das Gespräch um die Finanzierung festzuzurren erst am Mittwoch. Das ist der Tag des Kaufs.

I am doomed.

Mir ist schlecht, ich bin mit den Nerven am Ende.

Zwischendurch durfte ich gestern nachmittag noch einen Vortrag halten. Übers trans* Sein, den Umgang mit trans* Personen in der Gesellschaft, Gesetze, Diskriminierung… „Durfte“ ist eigentlich nicht ironisch gemeint. Ich hatte mich sehr drauf gefreut. Aber der Stress die letzten Tage hat natürlich dazu geführt, dass ich nicht so gut vorbereitet war wie ich mir gewünscht hätte. Und dass ich 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung noch aufgeregte Telefonate wegen des Kredits führen musste hat auch nicht zur Entspannung beigetragen. Es hat aber trotzdem ganz gut geklappt glaube ich. Es waren gar nicht mal so wenige Leute da – trotz des warmen Wetters. Einige aktuelle Kolleg*innen und frühere Kolleg*innen aus meiner Zeit an der Uni waren dort. Ein früherer Kollege und Freund hat die Veranstaltung organisiert und mich auf eine sehr nette und persönliche Art vorgestellt – ich glaube, wir hätten beide beinahe ein Tränchen verdrückt ;-) (leider muss ich ihm noch mal schonend beibringen, dass man bitte nicht einfach so den alten Namen einer trans* Person vor versammelter Zuhörer*innenschaft ausplaudert /o\).

Der Vortrag hat Spaß gemacht und ich habe mal 90 Minuten nicht an die ganze Kredit- und Immobilienkacke gedacht. Meine Sorge vorher war ob ich eine okaye Balance hinbekomme dabei, sowohl Zuhörer*innen gerecht zu werden die sich mit dem Thema trans* und Geschlecht noch gar nicht so viel beschäftigt haben – und solchen, die in der Thematik selbst erfahren sind und mit einem ganz anderen Vorwissen kommen und denen ich zum Beispiel auch sprachlich gerecht werden wollte (z.B. durch die Verwendung gender-inklusiver und/oder geschlechtsneutraler Formulierungen wo möglich). Obwohl ich das in der schriftlichen Kommunikation ziemlich verinnerlicht habe, merke ich ganz oft dass es mir im mündlichen noch etwas schwerer fällt. Das hat nicht so sehr damit zu tun, dass mir die Formulierungen nicht einfallen würden sondern eher damit dass ich oft etwas „Angst“ vor den Reaktionen der anderen habe – vor allem wenn ich nicht genau weiß wie die so drauf sind beim Thema Gender.

Naja – ich hoffe, dass ich es ganz gut hinbekommen habe. Eventuell könntet ihr das selbst an einem Audiofile überprüfen ;-). Ich habe den Vortrag auf dem Handy aufgenommen (sprich: Audioqualität ist murks) und werde ihn eventuell auch teilen. Vorher muss ich ihn mir allerdings noch mal anhören und das ist die richtige Herausforderung – 48 Minuten meinem eigenen Vortrag zuhören…..au weia ;-). Falls ich mich entscheide das Audio zu teilen, lasse ich es Euch wissen :).

Jetzt ist der Post schon lang genug, aber eins wollte ich doch noch erzählen. In meiner Zeit an der Uni habe ich so Ende der 90er Jahre/Anfang der 2000er dort die Namensänderung einer Person mitbekommen, die an einer zentralen Unieinrichtung arbeitete. Wir kannten uns eigentluch nur per Telefon und Email, hatten aber häufig Kontakt. Es hat mich damals sehr berührt, als die Nachricht der Namensänderung kam – und ich habe damals überhaupt nicht verstanden warum. Kurz darauf hat die Person die Uni dann verlassen. In den letzten zwei Jahren habe ich immer mal wieder an diese Person gedacht, mich gefragt wie es ihr wohl geht und mich auch gefragt was sie wohl denken/sagen würde, wenn sie von mir wüßte. Tja. Und ratet, wer bei meinem Vortrag war? Erst war ich mir nicht sicher, aber nach dem Vortrag habe ich sie angesprochen und bingo – ich hab mich total gefreut!

So. Jetzt versuche ich mal, trotz sehr starker „highway to hell“ Gefühle zu schlafen.

Die Tatsache, dass das Geld das mein Mann mir gestern überwiesen hat (mein Eigenkapital für den Wohnungskauf) immer noch nicht auf meinem Konto eingetroffen ist. Ich will nicht deswegen jetzt auch noch Ängste ausstehen müssen :-/.

I am doomed, for sure /o\.

happysad

Diese Woche gab es mal wieder einen Tag, vor dem ich mich sehr gefürchtet habe… Geb****tag. Ich mochte diesen Tag nie (ich glaube, das schrieb ich letztes Jahr auch ;)) und mit Trennung und Transition und so weiter und so fort ist es noch komplizierter geworden mit den Gefühlen zu diesem Tag.  Letztes Jahr habe ich ihn noch mit meinem Mann verbracht und es war schrecklich. Dieses Jahr hatte ich zumindest so geplant, dass ich nicht zu Hause sein würde (sprich: ich bin arbeiten gegangen) und abends etwas mit Freund*innen und meinem Geschwister unternehme. Das konnte die Traurigkeit ganz gut im Zaum halten. Der Morgen war schlimm, weil mein Mann mir ein Geschenk hingelegt hatte und früher aufgestanden ist, um mir zu gratulieren. Ich wollte beides nicht. Ich halte diesen Widerspruch zwischen „ich will dir etwas Gutes tun“ und „ich ignoriere trotzdem deine grundlegenden Bedürfnisse“ im Verhalten meines Mannes nicht aus. Dass er mir etwas schenkt und versucht „nett“ zu sein trotz allem verstärkt mein Gefühl, nicht das Recht zu haben für mein Bedürfnis einzustehen, mit dem richtigen Namen und mit den richtigen Pronomen angesprochen zu werden. Mein Mann versteht das nicht. Er sieht mich, wie ich auf den Boden starre und ihn nicht ansehen kann.

Als ich dann mit meinem Kaffee in der Bahn saß, bin ich über alle meine Schatten gesprungen und habe ihm eine Mail geschrieben und erklärt, was seine Weigerung mich korrekt anzusprechen mit mir macht. Geantwortet hat er darauf natürlich nicht. Stattdessen hab ich mich den ganzen Tag mit Schuldgefühlen gequält. Ich verfluche es, dass ich genau jetzt keinen Zugang zu einer therapeutischen Unterstützung habe. Zwar hilft es mir sehr, das meine digitale und analoge „Bubble“ mir zuhört und mich unterstützt – aber dieses Schuldding sitzt so tief in mir drin und ich muss das weiter in einem therapeutischen Kontext bearbeiten. Ich werde es sonst nicht los.

Aber alles in allem habe ich den Tag ganz gut überstanden. Auf der Arbeit bekam ich Konfetti :D. Abends hatte ich Karten für eine Tanzperformance in der ein Schauspieler aus „meinem“ Theaterstück mitspielte. Das Wetter war gut und ich saß mit Freund*innen und Geschwister vorher noch draußen in der lauen Luft und das war sehr schön. Die Performance war richtig toll. Das Thema war „Alter(n)“ und wie es sich auf Bühnenarbeit/Tanz/Performance auswirkt. Was bedeutet es, als junge oder als alternde Person auf der Bühne zu stehen? Ich bin immer noch ganz geflasht, weil ich es so toll fand!

Und dann ging der Tag mit Quatschen und durch immer noch laue Luft zum Bahnhof laufen zu Ende. Ich bin froh, dass der Tag vorbei ist und dankbar, dass er viele schöne Momente hatte!

Grenzen

Gestern war ein völlig ruinöser Tag, der mir ziemlich viel Kraft geraubt hat. Ich wünsche mir sehr ich würde endlich mal lernen Grenzen zu ziehen. Die Klappe aufzumachen, anstatt in Schockstarre zu verfallen. Ich hatte gestern einen Angsttermin mit meinem Mann. Wir waren beim Notar*, um zu klären, wie die „Vermögenssituation“ im Fall der Trennung geregelt werden kann. Angst hatte ich nicht wegen des Termins an sich, sondern weil ich mir vorstellte, wie mein Mann da sitzt und von „meiner Frau“ spricht und mich damit meint. Und wie er weibliche Pronomen für mich benutzt. Schon der Gedanke an diese Situation hat gereicht, mich erstarren zu lassen. Mir tut das buchstäblich körperlich weh… alles zieht sich zusammen. Ich empfinde dieses wissentlich falsch gendern als eine Form von psychischer Gewalt und ich schaffe es nicht, mich dagegen zu wehren.

Leider wurde es genauso schlimm, wie ich befürchtet hatte. Es war mir nacher gar nicht mehr möglich überhaupt aufzunehmen, was der Notar gesagt hat. Ich hab nur versucht, irgendwie durch diese Situation zu kommen. Hinterher bin ich völlig abgestürzt. Und auch in dieser Situation hat mein Mann meine Grenzen noch mehrfach missachtet, indem er einfach in mein Zimmer gekommen ist, in das ich  mich zurückgezogen hatte. Und das Schlimme ist, er merkt noch nicht mal, dass es ein Problem gibt. Er hat sich nicht ein bisschen damit auseinandergesetzt. Ich hab  eine solche Wut und ich bin so verzweifelt, weil ich nicht hinbekomme ihm deutlich zu machen, dass er damit aufhören muss.

Überhaupt hat das Gespräch beim Notar völlig absurde Dinge zutage gefördert. Z.B. dass mein Mann sich offensichtlich nicht scheiden lassen will. Wahrscheinlich denkt er, dass er mir damit einen Gefallen tut – weil es für mich eine größere finanzielle Absicherung für die Zukunft ist. Ich wünschte er würde verstehen, dass mir diese Art von „Fürsorge“ gestohlen bleiben kann. Ich will, dass er mich als Person anerkennt und mir den Respekt entgegen bringt, den ich verdient habe. Ohne das ist nichts von dem, was der da versucht irgendetwas wert.

Und weil der Tag noch nicht „schön“ genug war, habe ich erfahren, dass die eine begutachtende Person mein Personenstandsänderungsgutachten „hofft“ bis Ende April fertigzustellen. Das sind also noch  mal mindestens vier Wochen. Von der anderen Person habe ich gar nichts gehört auf meine Nachfrage. Es gab noch ein anderes Ereignis, das mich ziemlich fertig gemacht hat und insgesamt war der Tag gestern so richtig für die Tonne.

Aber hurra, morgen komme ich so spät nach Hause dass ich meinen Mann nicht sehen muss und Freitag hab ich frei.

Weitermachen

Content note: Körper, Körperbild, (kontrolliertes) Essen, Gewicht

Danke für Eure lieben Kommentare/Nachrichten zum letzten Post <3.

Ich habe wenig geschlafen letzte Nacht, aber immerhin irgendwann zwischen zwei und fünf von Katzenbabys geträumt. Ich weiß auch nicht woher die kamen. Aber sie waren besser als die anderen Sachen, die ich im Moment regelmäßig träume. Zum Beispiel, dass meine Stimme sich wieder zurück verändert und heller wird.

Die Angst, die sich darin ausdrückt überträgt sich insgesamt darauf, wie ich mich im Moment wahrnehme. Ich habe das Gefühl, als würde Testosteron nicht (mehr) wirken. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich wieder viel stärker „weibliche“ Gesichtszüge. Das bilde ich mir aller Wahrscheinlichkeit nach ein, aber es ist schwer für mich das auszuhalten. Ich hasse die Form meines Körpers, die Taille, die Hüften, die Unfähigkeit Muskelmasse aufzubauen. Der erste Impuls den ich in solchen Phasen habe ist oft, weniger und kontrollierter zu essen. Das ist so ein Muster, das drin ist und das noch nicht mal bewusst abläuft. Und es ist eine dieser dysfunktionalen, destruktiven „Strategien“ von denen ich gestern geschrieben habe. Allerdings kriege ich es mittlerweile gut hin, schnell dagegen zu steuern. Irgendwann in den letzten zwei Jahren hat es bei mir „klick“ gemacht und ich habe verstanden, dass ich das Ziel „mehr Muskeln“ nicht erreiche, wenn ich zu wenig esse. Aber gleichzeitig erlebe ich halt wie mir mein Körper bei dem Ziel „Muskelmasse“ immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Und mich damit zu arrangieren dass ich nunmal so „ticke“ und mein Metabolismus halt so ist und sich das wohl auch nicht ändern wird – Testo oder nicht – ist für mich schon schwer. Dieses „mich besser arrangieren“ wäre wohl eins der Therapieziele für die Fortführung der Psychotherapie.

***

Heute morgen bin ich dann sehr übermüdet und gerädert eine Wohnung anschauen gefahren, mal wieder. Sie war…okay…aber ziemlich weit draußen. Mein Weg zur Arbeit würde sich damit etwa verdreifachen, da muss ich noch mal drüber schlafen.

Aber als ich da durch die verschneite Landschaft fuhr, immer schön bergauf, habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich mich darauf freue im Frühjahr wieder auf dem Rad zu sitzen und die „Berge“ dort hochzufahren. Immerhin. Anders als Schwimmen und Fitnessstudio ist das zumindest nichts, wo ich mich mit binären Umkleiden und meinem halbnackten Körper konfrontieren muss. Es ist gut, dieses Ventil noch zu haben. Ich hoffe, dass das Wetter bald wieder mitspielt und ich zumindest wieder ein bisschen radfahren kann.

Jetzt werde ich ein Brot backen und versuchen, irgendwas außer Kaffee in mich reinzubekommen. Und vielleicht noch ein bisschen zu schlafen. Heute Nachmittag und den Abend bin ich unterwegs, ich hoffe das wird okay.

._.

Content note: Depression, Suizidgedanken

Es bewegt sich überhaupt nichts. (Nur ich irgendwie, abwärts). Ich komme nicht weiter, mit gar nichts, und fahre mittlerweile meine ganzen dysfunktionalen „Bewältigungsstrategien“.

Überwältigungsstrategien more like it.

In Sachen Personenstandsänderung tut sich nichts. Das Gericht müsste die Gutachter*innen bestellen, damit ich dort einen Termin vereinbaren kann. Hat es aber bislang nicht. Also müsste ich dort anrufen. Aber telefonieren – insbesondere, wenn ich als „Bittsteller“ irgendwo anrufen muss, fällt mir schwer. Die Tatsache, dass die Sachbearbeiter*innen dort sich weigern, trans* Menschen vor der PÄ mit der richtigen Anrede anzusprechen macht es für mich noch schwerer.

Stattdessen mal wieder ein Telefonat mit der Krankenkasse. Sie hatten vergessen, mich über das Ergebnis des Gesprächs mit dem MDK vor Weihnachten zu informieren. F*** ey.

Der MDK legt „extrem viel wert“ auf den Bericht, den mein Ex-Therapeut schreiben soll. Die Sachbearbeiterin klärt jetzt das Vorgehen der Kostenerstattung und den geforderten Inhalt mit dem Ex-Thera. Sie redete die ganze Zeit davon, wie umfangreich diese Berichte in der Regel seien. Irgendwas von „15-30 Seiten“. Und das Schlimme ist, dass das der MDK gar nicht vorgegeben hat, sondern dass die Sachbearbeiterin der Meinung ist, das sei angemessen. Ich habe null Vertrauen in meinen Ex-Thera, dass er das in angemessener Weise schreibt. Wenn es ganz schlimm kommt, muss ich noch mal zu ihm und dann habe ich vom Gefühl her eine dritte Begutachtung vor mir. Mal davon abegesehen, dass ich befürchte dass er ewig dafür braucht, das zu schreiben (wenn die Kasse sich denn dann mit ihm in Verbindung setzt). Ich kann nicht mehr. Ich halte diesen Körper nicht mehr aus. Ich will eigentlich nur noch, dass Schluss mit allem ist.

Und weil das noch nicht reicht, mache ich mir Vorwürfe. Weil ich zu unfähig bin, diese ganzen Dinge zu bewältigen. Auch, weil ich unfähig bin, die Depression irgendwie verantwortungsvoll zu „managen“. Weil ich eigentlich alles nur noch vor die Wand fahren möchte. Weil ich keine nicht-destruktiven Coping-Strategien habe. Weil ich nicht schaffe, mich alleine aus diesem Loch rauszukämpfen.

Blick zurück nach vorn

Ja, der Titel ist ein bisschen abgedroschen (und ich würde nicht ausschließen, dass ich ihn schon mal benutzt habe ^^) – aber er passt trotzdem zu diesem Beitrag.

Heute bin ich auf die Webcomics von Julia Kaye gestoßen. Sie verarbeitet darin ihre Erfahrungen während der Transition und vor allem auch den Umstand, dass es viele schwierige Phasen gibt – nicht nur, weil die Umwelt es uns manchmal schwer macht, sondern halt auch weil sich mit Beginn der Transition eben nicht alle Selbstzweifel, aller Selbsthass in Wohlgefallen auflösen.

Irgendwie brauchte ich das gerade… diese Bestätigung, dass ich mit der Erfahrung nicht allein bin. Wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue habe ich das Gefühl, dass es mir alles in allem nicht besser geht als noch vor 12 Monaten. Es gibt da natürlich Aspekte, die sind 400% besser und ich bin sehr dankbar dafür: mehr und mehr von Fremden richtig „gelesen“ werden zum Beispiel. Überhaupt fast zu 100% mit dem richtigen Namen und der richtigen Anrede angesprochen zu werden. Meine Stimme mögen. Aber: mein Verhältnis zu mir selbst hat sich nicht grundsätzlich verbessert und das führt mich gerade in gefühlt immer häufigere (bzw. länger andauernde) und tiefere Krisen.

Ich wusste zu Beginn der Transition, insbesondere auch der Hormontherapie, dass sich dadurch nicht alle meine Probleme lösen würden. Aber das theoretisch zu wissen und es dann zu erfahren sind leider zwei Paar Schuhe und ich war auf die Heftigkeit dieser Erfahrung nicht wirklich vorbereitet. (Ich weiß auch nicht, ob man sich wirklich auf so etwas vorbereiten kann). Und natürlich bin ich enttäuscht und traurig, dass es für mich keinen Transitionsfreifahrschein raus aus der Depression, raus aus den Selbstzweifeln und der Selbstablehnung gibt.

Hätte ich irgendetwas anders gemacht, hätte ich vorher genau gewusst, wie es mir jetzt geht? Ich denke nicht. Außer dass ich vielleicht versucht hätte sicherzustellen, dass ich eine adäquate therapeutische Begleitung habe.

Jedenfalls bin ich heute auf diesen Comicstrip gestoßen und werde dran arbeiten, dass ich das in 2017 bin:

 

Lost in transition

So, die Geschichte mit dem „Behandler*innenbericht“ für den Mastektomie-Antrag nimmt langsam epische Dimensionen an – und wir sind glaube ich echt erst am Anfang.

Gestern hatte ich das Telefonat mit der Krankenkasse. Die Person sagte mir, dass die Kosten für diesen Bericht nicht an mich erstattet werden können, sondern dass der Therapeut direkt über die Kasse abrechnen soll. Das ist auch die Information, die ich von der Unabhängigen Patient*innenberatung bekommen hatte.

Das habe ich dann meinem Therapeuten gestern abend geschrieben. Daraufhin hat er heute noch mal bei meiner Kasse angerufen – keine Ahnung wo und bei wem – und erhielt dort die Auskunft, dass das „Gutachten“ keine Leistung der GKV sei und ich das selbst bezahlen müsse.

Da das ein erheblicher Aufwand sei, schrieb er mir, ich solle ihm als Vorleistung 200€ überweisen, den Rest rechnet er dann nach dem tatsächlich Aufwand ab. Bericht natürlich nur gegen Zahlungseingang. Ich hab echt so die Schnauze voll, sowohl von diesem Typen, als auch von meiner Krankenkasse. Und ich bin ganz sicher, dass das erst der Anfang ist von dem Theater, das mich noch erwartet.

Zu meinem Therapeuten: mich irritiert, dass er mich nicht einfach gebeten hat, ihm eine schriftliche Bestätigung durch die Kasse zukommen zu lassen. Oder sich erkundigt, mit wem ich da gesprochen habe, wenn er noch eine Rückversicherung möchte. Zweitens, und das irritiert mich gerade noch mehr: er schreibt in der Mail die ganze Zeit von einem „Gutachten“, das er schreiben solle. Es geht aber um einen *Bericht* über die zurückliegende Behandlung. Er selbst hat mir vor eine Weile noch erklärt, dass das ein Unterschied ist. Wenn er bei der Kasse nach der Kostenerstattung für ein Gutachten gefragt hat, dann hat er die aufs falsche Gleis gesetzt – denn dann hat die Person bei der Kasse möglicherweise gedacht, es geht um gerichtliche Gutachten.

Jetzt habe ich der Person von der Kasse, mit der ich telefoniert hatte, noch mal geschrieben und ihr den Sachverhalt geschildert – und darum gebeten, dass sie mir die Kostenübernahme für den Bericht noch einmal bestätigt. Ich habe auch darauf verwiesen, dass ich mich vorher hätte rechtlich beraten lassen und man mir da auch gesagt habe, dass die Kasse die Kosten für den geforderten Bericht übernehmen muss.

Und auch, wenn man mit Bauchgefühl in Bezug auf unser Gesundheitssystem ordentlich daneben liegen kann – es ist für mich schwer vorstellbar, dass eine Kasse den Antrag auf Kostenübernahme für eine medizinisch notwendige Behandlung mit einer solchen finanziellen Hürde versehen dürfte.

Ich bin ziemlich sicher, dass mein Therapeut einen Weg finden wird, mir trotz allem eine Rechnung zu schreiben – z.B. weil die Kasse seinen tatsächlichen Aufwand nicht angemessen vergütet. Wenn ich nur daran denke, werde ich so unglaublich wütend – denn ich bin ihm da komplett ausgeliefert. Er weiß, wie dringend ich die Mastektomie möchte und brauche. Es steht in seiner Macht, mir einen Bericht zu verwehren, oder ihn halt so zu schreiben, dass der MdK den Antrag ablehnt. Ich habe da kein bisschen Kontrolle drüber und keine Möglichkeit mich über ihn zu beschweren, ohne negative Konsequenzen für mich befürchten zu müssen.

Ich kann nicht noch ein Jahr warten. Allein der Gedanke, dass es so kommen könnte löst solche schlimmen Gefühle in mir aus… das schaffe ich einfach nicht.

Und weil der Tag eh schon so schön war, hatte ich noch das erste Gespräch bei einer Therapeutin* in dieser Ambulanz. Ich fand es anstrengend. Sie hat zwei-, dreimal Sachen gesagt, die ich als Zuschreibungen eher unangenehm fand. Zum Beispiel fragte sie, was meine Freund*innen denn so sagen würden. Denn ich hätte mich ja jetzt sehr verändert – nicht nur körperlich, sondern bestimmt auch vom Charakter. Fand ich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt von jemandem, der mich seit 20 min kennt.

Ich mag nicht mehr. Sagte ich das schon?