weiterimtext

Danke für alle Eure lieben Kommentare und Nachrichten! Ich hab‘ immer die Sorge, dass es „zu viel“ ist was ich hier schreibe. Zu schwer auszuhalten für andere. Überfordernd. Aber diese Gedanken und Gefühle müssen trotzdem raus und ich vertraue einfach mal darauf, dass ihr mit Euch gut umgeht und Euch auch zugesteht diese Dinge nicht zu lesen, wenn sie für Euch gerade zu belastend sind.

Nächste Woche geht die Gruppentherapie los und ich freue mich fast ein bisschen – weil es eine Chance darauf ist, dass sich etwas verändert. Ich wünsche mir einen festen Termin in der Woche, in dem ich Sachen in einem geschützten Rahmen bearbeiten kann. Aber ich habe natürlich auch ein bisschen Angst davor wie die Gruppenzusammensetzung sein wird und dass ich als einzige trans* Person in einer Gruppe von cis Menschen ziemlich viel werde erklären müssen (und zwar jedes Mal wieder von vorn, wenn jemand neues in die Gruppe kommt). Dass die anderen mich nicht verstehen. Aber ich schätze mal, dass es den anderen – noch unbekannten – Gruppenmitgliedern ganz ähnlich geht. Und dass es wahrscheinlich gar nicht so wichtig ist, ob die anderen jetzt wirklich nachfühlen und bis ins Detail verstehen können, was bei den anderen Gruppenmitgliedern los ist. Wichtig ist vielleicht eher, dass wir irgendwie eine „Gruppendynamik“ hinkriegen die uns irgendwie das bietet was wir brauchen. Schutz, Reibung, Reflektion… Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Ich bin gespannt!

Damit keine Langeweile aufkommt, habe ich mir die Zeit bis dahin mit privaten und beruflichen Terminen vollgestopft.

No Leerlauf till Brooklyn! ;-)

 

 

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Transitionsmanagementerfolgs-Meldung

Heute hatte ich den nächsten Termin bei dem Psychiater*, der mir einen kurzen Bericht (Diagnose, Differentialdiagnostik) für den Mastektomie-Antrag schreiben soll. Ihr erinnert euch. Diese Begenung war irgendwie weniger merkwürdig als die letzte. Obwohl der Einstieg in den Termin etwas stressig war: ich war pünktlich, aber der vorherige Termin lief noch. Und die Tür zum Sprechzimmer bewirkte exakt null Schalldämpfung /o\. Ich hasse sowas – ich will nicht hören, was da hinter der Tür gesprochen wird. Also konzentrierte ich mich sehr auf mein Handy und sang innerlich sehr laut vor mich hin. Hat ganz gut funktioniert, aber ich wäre am liebsten so lange zurück in den Hausflur gegangen.

LALALALALALALALAAAAA.

Der Termin selbst war dann ruckzuck vorbei und ich bekomme das „Attest“ zugeschickt. Keine weiteren Termine – hurra! Wir haben kurz über die Mastektomie und weitere Operationen gesprochen (vor allem: Phalloplastik => Bildung eines sogenannten „Neo-Penis“ aus eigener Haut; Hysterektomie => Entfernung der Gebärmutter; Ovarektomie => Entfernung der Eierstöcke).

Diese ganzen OPs stehen momentan nicht weit oben auf meiner Prioritätenliste. Insbesondere die „Phalloplastik“ ist mir persönlich derzeit ein viel zu krasser Eingriff für die bestenfalls zu erreichenden Ergebnisse. Umso mehr, als diese Operation (oder vielmehr: die Operationen, mit einer kommt man nicht hin) ein ziemlich hohes Potenzial für Komplikationen hat. Und da ich ohnehin ziemlichen Respekt (ja, okay, ANGST) vor Vollnarkosen habe, lasse ich das erstmal.

Darüber haben wir also gesprochen und es war sehr angenehm, dass der Psychiater gut darüber informiert war, mir die OP weder ein- noch ausreden wollte und mir dabei halt die ganze Zeit zwar „Themen-/Gesprächsangebote“ machte, aber ohne dass ich gezwungen war über ein bestimmtes Thema zu sprechen.

Da ich das auch noch auf meiner Liste hatte, habe ich ihn auf das Thema Antidepressiva angesprochen. Ich habe zwar gerade wieder etwas mehr den Eindruck, dass es ohne geht (vielleicht der Plazebo- oder tatsächliche Effekt von Vitamin D + Tageslichtlampe) – aber es wäre ja trotzdem für den Fall der Fälle gut, wenn ich für die Zukunft eine Anlaufstelle hätte. Er hat eine eher kritische/differenzierte Meinung zu Antidepressiva, was mir sehr entgegen kommt – aber ich kann mich diesbezüglich an ihn wenden, wenn ich den Bedarf sehe. Sieht also so aus, als hätte ich eine okaye, transerfahrene Psychiatriepraxis gefunden. Yay!

Am Wochenende habe ich den Antrag für die Krankenkasse schon so weit fertig gemacht – jetzt warte ich also noch auf eins der Gutachten von der Personenstandsänderung und das Schreiben vom Psychiater und dann geht das Ding in die Post.

Ebenfalls in der Post hatte ich heute die Eingangsbestätigung für den Psychotherapie-Antrag, datiert von letzter Woche. Innerhalb der nächsten vier Wochen muss also eine Entscheidung über den Antrag erfolgen. Ich hoffe, ich muss keinen Widerspruch einlegen – das würde den Zeitplan bezüglich des Beginns der Gruppentherapie ziemlich ins Wanken bringen.

Was gibt es sonst noch?

Ich werde (wie schon mal angedeutet) in einer Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema trans* halten und freue mich da sehr drauf!

Angeregt durch den Monsterherzblog habe ich mir vorgenommen, mal wieder regelmäßig progressive Muskelentspannung zu üben. Jetzt bin ich noch auf der Suche nach einem für mich angenehmen Audiotrack für die Anleitung. Gar nicht so einfach… Es soll am besten keine Musik dabei sein, es soll eine tiefe Stimme sein und es soll auch noch angenehm gesprochen sein. Von der TK gibt es z.B. einen kostenlosen Download, aber für ich klingt das wie eine Computerstimme – irgendwie nicht meins. Dann habe ich jemanden mit einer für meine Ohren tollen Stimme und Intonation gefunden, aber die Person ist auch NLP-Trainer und den Rest der Webseite fand ich etwas gruselig. Damit kann ich auch nicht entspannen :D. Naja, ein paar Sachen habe ich gefunden und probiere sie jetzt nach und nach durch.

Mein „12 Monate auf Testo“-Datum rückt näher… im April ist das erste Jahr schon rum. Say whaaaaaaaa?

ICH HAB IMMER NOCH KEINEN BARTWUCHS UND ICH PRANGERE DAS AN!

Impostor

Heute war die nächste probatorische Sitzung beim neuen Therapeuten und wir machen uns langsam an die konkreten Vorbereitungen des Antrags an die Kasse. Das bedeutete heute, dass wir noch mal versucht haben alles, was ich an „Symptomen“ so mit mir rumtrage zu dokumentieren. Damit hat der Therapeut mich insofern kalt erwischt, als wir letztes Mal vereinbart hatten, wir würden uns das Biografische anschauen.

Symptome? Meine Gefühle, Ängste, „Macken“ beschreiben zu müssen ist ein Garant dafür, dass ich augenblicklich jede Erinnerung ans „schlecht Fühlen“ und jeden Kontakt zu mir selbst verliere.

Ich habe dann das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, dem es in Wirklichkeit überhaupt nicht schlecht (genug) geht. Schließlich geht es anderen so viel schlechter als mir. Und ich gehe ja noch arbeiten, mache regelmäßig Sport. Bin ja gar nicht komplett abgestürzt. Dass dieses ganze (scheinbare) Equilibrium entsetzlich zerbrechlich ist und wahrscheinlich sofort kaputt geht, wenn ich die Kontrolle über ein winziges Detail verliere, zählt ja schließlich nicht.

Leider habe ich dann in Situationen, in denen ich schildern soll wie es mir geht, zusätzlich noch das Gefühl, keine adäquaten Worte zu finden. Und ich glaube, ich wirke in diesen Situationen halt auch nicht niedergeschlagen oder traurig (hello, internalisierte Stereotype über Depression, ich hör euch trapsen). Das ist nichts, was ich anderen zeigen kann oder vielleicht will. Und dann spiele ich Dinge runter. Das habe ich heute leider auch gemacht, aber insgesamt habe ich mich für meine Verhältnisse ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt.

Uff.

Außerdem habe ich jetzt auch den zweiten Begutachtungstermin – der ist in zwei Wochen, wobei ich bei dieser Person zwei Termine wahrnehmen werden müsse.

Und ich hab endlich in der Hormonepraxis angerufen, um sie an den Bericht für meinen Mastekantrag zu erinnern. Darauf warte ich jetzt auch schon sechs Wochen. Eigentlich soll ich den auch zum Begutachtungsgespräch nächste Woche mitbringen, aber das wird wohl eher nix.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was?

Und etwas bewegt sich doch

Post vom Amtsgericht. Endlich! Sie haben die „Sachverständigen“ beauftragt und ich kann also endlich anrufen und Termine machen. Die Wartezeit bis zu den Terminen kann wohl auch noch mal 2-3 Monate sein im worst case. Mit der einen Praxis hatte ich vor Weihnachten telefoniert und die waren da schon im Februar oder März mit Terminen. Da stelle ich mich gerade innerlich schon mal auf April ein. Aber vielleicht kriege ich zumindest das eine Gutachten schneller und kann das dann dem Antrag für die Mastektomie beilegen.

Das wiederum hätte den Vorteil, dass ich mich nicht weiter mit dem Facharzt* für Psychiatrie rumärgern muss, bei dem ich gestern war. Der braucht – nicht unerwartet – mehrere Termine, um eine Differentiialdiagnostik zu machen, aber ich hab den nächsten Termin erstin sechs Wochen. Wenn er so mehrere Termine machen will, bin ich damit noch nächstes Jahr beschäftigt /o\. Leider war er auch ziemlich umständlich… und ein bisschen merkwürdig … ach, ach. Wobei die komischen Vibes auch daher kommen könnten, dass er mich an eine andere mir bekannte Person erinnert, die bei mir ein ähnliches Unwohl-Fühlen auslöst.

Auch in Sachen Psychotherapie geht es zum Glück vorwärts. Wir haben heute den ganzen Papierkram für den Antrag gemacht und ein Platz in einer Therapiegruppe wird greifbarer. Ich bin so froh, wenn das in trockenen Tüchern ist. Ich hangele mich im Moment von probatorischer Sitzung zu probatorischer Sitzung. Obwohl ich da mit dem Therapeuten nicht an irgendetwas konkret oder kontinuierlich arbeite, sondern wir ja irgendwie nur das „Terrain sondieren“ sind diese 50 Minuten zumindest für den Moment entlastend. Da kann ich Mist und schwere Themen abladen, ohne Angst zu haben mein Gegenüber zu überfordern. Und die Sitzungen sind ein „Weichen stellen“ dafür, dass ich bald eine Chance bekomme, an meinen Themen und Problemen zu arbeiten und Veränderungen zu erwirken. Ich hoffe, dass die Krankenkasse mir keinen Strich durch die Rechnung macht. Noch so eine Streit-Baustelle kann ich echt nicht gebrauchen.

 

 

Therapiekram

Content note: Es geht ab dem 4. Absatz um Depression

Heute versuche ich mal, mich nicht aufzuregen ;). Stattdessen ein paar Updates zur Therapiesituation.

Gestern hatte ich die vierte probatorische Sitzung bei dem neuen Therapeuten. Ich hatte ja die Aufgabe, mir Gedanken bezüglich Einzel- oder Gruppenanalyse zu machen und meine Idee, in die Gruppe zu gehen fühlte sich weiterhin richtig an. Meine Hauptsorge (also, neben „HILFE MENSCHEN“) war, dass ich es von den Terminen nicht mit meinen häufigen Dienstreisen unter einen Hut bekomme. Ich hatte eine kleine „Auswertung“ gemacht, wieviele Termine ich im letzten Jahr so hätte ausfallen lassen müssen. Das bewegte sich für Montag, Dienstag und Freitag um die 4-5 Mal, Mittwochs und Donnerstags um die 9 Mal. Jeweils ohne Urlaub. Puh. Ein bisschen konnte der Therapeut mir meine Sorge gestern nehmen – es gibt auf jeden Fall eine Montagsgruppe, in die ich einsteigen könnte – eventuell nur nicht sofort. Das würde ich aber in Kauf nehmen.

Es steht auch im Raum, dass eine neue Gruppe aufgebaut wird. Das wäre mir noch lieber, weil es für mich die ohnehin schon recht hohe Hürde etwas absenken würde. Ich tue mich mit Gruppen schon schwer, wenn ich alle Personen kenne. Komplett neu in eine schon bestehende Gruppe zu kommen ist ziemlich hart. Wäre dann halt auch ein Lerneffekt und ich würde das sicherlich hinbekommen, aber es wäre schon ganz schön viel. Und die neue Gruppe soll eventuell morgens sein, was für mich sogar ganz cool wäre.

Insgesamt hat mir das jetzt jedenfalls meine Sorgen bezüglich der „logistischen“ Machbarkeit einer Gruppentherapie etwas genommen – ob es aber wirklich klappt erfahre ich erst so in zwei Wochen. Es wäre so super, wenn meine Suche nach einem Therapieplatz damit ein Ende hätte. Allerdings geht dann der Hickhack mit der Krankenkasse los. Ich bin nach den letzten Erfahrungen eher skeptisch, dass das mit der Bewilligung reibungslos geht. Ich mag gar nicht dran denken, was mir da gegebenenfalls noch blüht :-/.

Den Rest der Stunde haben wir dann noch über verschiedene Sachen gesprochen, ohne aber in die Tiefe zu gehen. Ich hab aber in dem Gespräch irgendwie noch mal realisiert, dass ich tatsächlich ziemlich „klassische“ Symptome einer Depression habe. Bei mir sind das momentan: ständig müde sein; nicht schlafen können; mich überhaupt nicht konzentrieren können; Hoffnungslosigkeit und das Gefühl komplett überfordert mit allem zu sein. Und noch ein paar andere Sachen. Besonders auf der Arbeit weiß ich gerade nicht, wie ich das noch auf die Reihe kriegen soll – ich hab das Gefühl, maximal auf 10-15% meiner „eigentlich möglichen“ Leistungsfähigkeit zu sein und ich habe Angst, dass mir das irgendwann komplett um die Ohren fliegt.

Der Therapeut fragte, ob die depressive Stimmung eine Folge der Hormontherapie sein könnte. Ich hatte da so unmittelbar keine Antwort drauf. Ich habe gehört/gelesen, dass es bei einer Therapie mit Östrogen und Testosteronblockern schon mal zu Depressionen kommen kann, aber die Gabe von Testosteron hatte ich bis jetzt immer eher mit einer Stabilisierung/Verbesserung der Stimmung in Verbindung gebracht. Allerdings habe ich in meiner social bubble noch mal rumgefragt und ein paar gute Hinweise bekommen <3. Ich werde jetzt u.a. noch mal meine Vitamin D und Schilddrüsenwerte überprüfen lassen. Das ist eh lange überfällig, da beides Baustellen sind bei mir. Wenn da was nicht in Ordnung sein sollte könnte das zumindest _mit_ erklären, warum ich schon seit Monaten so im Loch hänge und kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht ist.

Ein paar Aufreger hab ich auch noch, aber die erzähle ich ein anderes Mal ;-).

Blick zurück nach vorn

Ja, der Titel ist ein bisschen abgedroschen (und ich würde nicht ausschließen, dass ich ihn schon mal benutzt habe ^^) – aber er passt trotzdem zu diesem Beitrag.

Heute bin ich auf die Webcomics von Julia Kaye gestoßen. Sie verarbeitet darin ihre Erfahrungen während der Transition und vor allem auch den Umstand, dass es viele schwierige Phasen gibt – nicht nur, weil die Umwelt es uns manchmal schwer macht, sondern halt auch weil sich mit Beginn der Transition eben nicht alle Selbstzweifel, aller Selbsthass in Wohlgefallen auflösen.

Irgendwie brauchte ich das gerade… diese Bestätigung, dass ich mit der Erfahrung nicht allein bin. Wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue habe ich das Gefühl, dass es mir alles in allem nicht besser geht als noch vor 12 Monaten. Es gibt da natürlich Aspekte, die sind 400% besser und ich bin sehr dankbar dafür: mehr und mehr von Fremden richtig „gelesen“ werden zum Beispiel. Überhaupt fast zu 100% mit dem richtigen Namen und der richtigen Anrede angesprochen zu werden. Meine Stimme mögen. Aber: mein Verhältnis zu mir selbst hat sich nicht grundsätzlich verbessert und das führt mich gerade in gefühlt immer häufigere (bzw. länger andauernde) und tiefere Krisen.

Ich wusste zu Beginn der Transition, insbesondere auch der Hormontherapie, dass sich dadurch nicht alle meine Probleme lösen würden. Aber das theoretisch zu wissen und es dann zu erfahren sind leider zwei Paar Schuhe und ich war auf die Heftigkeit dieser Erfahrung nicht wirklich vorbereitet. (Ich weiß auch nicht, ob man sich wirklich auf so etwas vorbereiten kann). Und natürlich bin ich enttäuscht und traurig, dass es für mich keinen Transitionsfreifahrschein raus aus der Depression, raus aus den Selbstzweifeln und der Selbstablehnung gibt.

Hätte ich irgendetwas anders gemacht, hätte ich vorher genau gewusst, wie es mir jetzt geht? Ich denke nicht. Außer dass ich vielleicht versucht hätte sicherzustellen, dass ich eine adäquate therapeutische Begleitung habe.

Jedenfalls bin ich heute auf diesen Comicstrip gestoßen und werde dran arbeiten, dass ich das in 2017 bin:

 

Anxiety

Es kommt mir gerade irgendwie unpassend und ein bisschen unwirklich vor hier über „meinen Kram“ zu schreiben, angesichts dessen was in Berlin passiert ist (und angesichts dessen, wie dieses Ereignis nun instrumentalisiert wird von den rechten Hetzer*innen). Aber dieser „Kram“ muss irgendwo hin und raus aus meinem Kopf, damit überhaupt Kapazitäten frei werden dafür, das andere zu ver-/bearbeiten. Und deswegen schreibe ich nun trotzdem…

********************

Heute war die dritte Stunde beim potenziellen neuen Therapeuten. Er hat mir etwas mehr über die Gruppentherapie erzählt. Nun ich bin hin- und hergerissen und merke gerade leider auch, dass mich die gesamte Situation ängstlich macht – auch, weil ich im Moment gar nicht weiß, wie ich egal-welches Therapieszenario mit meiner Arbeit verbinden soll. Ich finde das sehr erdrückend, weil ich mich frage, welche Optionen ich überhaupt noch habe. Das sind „Angstgedanken“ von denen ich weiß, dass sie keine realistischen Szenarien malen und dass es ganz sicher eine Lösung geben wird, aber die Gedanken lähmen mich trotzdem. So Kaninchen-vor-der-Schlange-mäßig.

Das Problem mit der Psychoanalyse ist, dass sie eher hochfrequent durchgeführt wird (und ja, ich bin immer noch bei der Psychoanalyse und nicht der Verhaltenstherapie und ja das ist vielleicht die Antwort auf die Frage nach den Optionen ;-)). In der Einzeltherapie sind es mindestens zwei Sitzungen pro Woche. Mindestens… das hat der Therapeut heute noch betont. Und schon der Gedanke, für zwei Sitzungen pro Woche meinen Kalender freischaufen zu müssen, macht mir Angst. Es wird nicht so sein, dass die Sitzungen grundsätzlich am späten Nachmittag sein können. Und bei der Gruppe? Da ist es so, dass es einen Termin pro Woche gibt, der dann aber länger ist, als eine Einzelsitzung. Und den Termin sollte man, wenn man nicht gerade den Kopf unter dem Arm trägt, wahrnehmen. Das Problem ist, dass ich dienstlich doch relativ viel reise. D.h. wenn es schlecht läuft, verpasse ich ziemlich viele Sitzungen. Und nicht nur muss man die Termine die ausfallen bezahlen, es funktioniert halt auch einfach nicht wenn man nur die Hälfte der Sitzungen dabei ist. Das stresst mich gerade total.

Und dann sind da natürlich noch die „inhaltlichen“ Sorgen, die ich in Bezug auf die Gruppentherapie habe. Darüber habe ich heute mit dem Therapeuten ein bisschen reden können und er hat auch noch mal mehr darüber erzählt, was die Stärken dieser Art von Therapie sind. Ich glaube tatsächlich dass die Widerstände die ich dagegen spüre möglicherweise schon ein Hinweis darauf sind, dass da Themen berührt werden die es sich lohnt anzugehen. Eine Sache bei der ich hellhörig geworden bin ist, dass der Therapeut meinte dass die Gruppe halt die Chance gibt viele verschiedene „Bindungserfahrungen“ zu machen. Und ja, das ist ein großes Thema bei mir. Eins, bei dem ich von einer sochen Erfahrung möglicherweise wirklich profitieren könnte. Denn ich gehe zwar Bindungen mit anderen Menschen ein, aber ich traue mich nicht, meinen Bedürfnissen und Wünschen dort Raum zu geben. Weil ich immer Angst habe, dass Menschen sich von mir abwenden wenn ich zu traurig, zu verzweifelt, zu schwierig bin. Dass sie verstummen. Und an dem Punkt könnte so eine Erfahrung in der Gruppe tatsächlich hilfreich sein.

Aber die Hürde mich drauf einzulassen ist so hoch :/.

Ansonsten bin ich weder in Sachen Mastektomieantrag (ratet, wer heute mal wieder mit der Krankenkasse telefoniert hat?) noch in Sachen Personenstandsänderung weiter. Ich glaube nicht, dass die offizielle Bestellung der Gutachter*innen noch vor Weihnachten erfolgt und ich hab keine Ruhe gehabt, beim Gericht anzurufen um nachzufragen. Vielleicht morgen. Aber allein schon die Vorstellung, dass die mich konsequent als „Frau Tomi“ ansprechen werden, hält mich davon ab (tun sie wohl, auch wenn man sie um eine andere Anrede bittet).

Ach ja. Krankenkasse. Von der Person, mit der ich da immer Kontakt habe, hörte ich heute: „So einen Fall hatte ich noch nicht“.

Tja. Dann wurde es wohl mal Zeit.