Ain’t got no

Ich kann schon recht lange keine Musik mehr hören, ohne dass es mich emotional ziemlich destabilisiert. Also ziemlich ziemlich. Sobald ich Musik höre, die ich mag oder mal mochte, holt es die ganzen Gefühle hoch, die ich lieber nicht fühlen möchte; Erinnerungen, die ich nicht haben will. Es reicht ein Song manchmal und ich komme nicht mehr klar. Ich habe mich für den Moment damit abgefunden, dass es nicht geht. Ich höre keine Musik mehr.

Aber gestern im Tatort wurde am Ende ein Lied von Nina Simone gespielt: Ain’t got no/I got life. Es ist so ein großartiges Stück und obwohl ich auch mit der Musik von Nina Simone Erinnerungen verbinde, die mich sehr traurig machen, dieses spezielle Lied hat irgendwie keine Verknüpfung zu meiner Vergangenheit.

Also höre ich es seit Sonntag rauf und runter auf repeat.

Den Text findet ihr hier: https://www.azlyrics.com/lyrics/ninasimone/aintgotnoigotlife.html.

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Fight or flight

Content note: Mobbing, Schule, soziale Phobie. Falls ihr das nicht lesen möchtet, springt einfach zum letzten Absatz – da gibt es netteres zu lesen :-)

Ich fühle mich gerade sehr antriebslos und müde. Wahrscheinlich spielen die bevorstehenden Veränderungen eine Rolle, aber auch – auf der gesellschaftlichen Ebene – ein Gefühl von Ohnmacht das mir gerade mal wieder sehr präsent ist. Das hat viel damit zu tun, wie über trans* Personen in den Medien berichtet wird; und auch damit, wer überhaupt in den Medien und „der Gesellschaft“ gehört wird. Da sind Mechanismen und Prozesse am Werk die letztlich dafür sorgen dass marginalisiert Menschen weiter marginalisiert bleiben. Es ist sehr schwer, das aufzubrechen. Ich fühle mich gerade nicht gut vorbereitet und „gewappnet“ darüber zu mehr zu schreiben, aber es wird dazu bestimmt bald noch mal einen Beitrag (oder Beiträge) hier geben.

Tja, und auf der persönlichen Ebene. Mich beschäftigt immer noch (meine Reaktion) auf den nervigen Typen vom Schwimmen. Ich habe das Feld geräumt, „kampflos“ sozusagen, weil ich das Gefühl habe keine Kraft für die Auseinandersetzung zu haben. Einerseits denke ich mir, ich hab keine Verpflichtung mich mit dem Typen auseinanderzusetzen. Habe ich auch nicht – aber das ist andererseits nur die halbe Wahrheit. Denn die Person der ich damit schade bin ich selbst. Dadurch, dass ich dem Konflikt aus dem Weg gehe verliere ich etwas, was wichtig war – Anschluss, Sozialkontakte, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Mit etwas Abstand (und weil andere mich mit der Nase drauf gestoßen haben, ahem) sehe ich, dass das natürlich ein Muster ist das ich wiederhole. Dieses Muster hat glaube ich viel damit zu tun, was ich als Jugendlicher in der Schule erlebt habe. Ich wurde gemobbt, gehörte nirgendwo dazu und habe glaube ich versucht mich zu schützen, indem ich mich isoliert habe. Das ging über mehrere Jahre. Mit dem Abi habe ich allen Kontakt zu Mitschüler*innen abgebrochen, mit einer Ausnahme. Wenn ich jemanden aus meinem Abijahrgang sehe, gehe ich in Deckung. Wobei, mittlerweile erkennen Leute mich auch nicht mehr, was sehr cool ist :D.

Aber ich schweife ab. Ich habe jedenfalls in dieser Zeit keine positiven Erfahrungen damit gesammelt, für mich einzustehen und mich zu behaupten. Gewachsen ist in dieser Zeit auch eine soziale Phobie die es mir ziemlich unmöglich gemacht hat mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Die Angst abgelehnt zu werden, irgendwas falsch zu machen, mich lächerlich zu machen…. viel zu groß. Es hat mehrere Jahre Therapie gebraucht, mich wieder halbwegs „funktional“ im Kontakt mit anderen Menschen zu machen, aber die Verhaltensmuster sind mir geblieben. Ich erkenne sie jetzt meistens ganz gut und gehe wenn möglich nicht in die Vermeidung, auch wenn meine „Angstmelder“ anschlagen. Aber wenn ich in einen Konflikt gerate schaffe ich es nicht, für mich einzustehen sondern gebe nach und/oder ziehe mich einfach komplett aus der Situation raus. Konfrontationen halte ich exakt null aus. Umso mehr, wenn ich das Gefühl habe dass ich nicht einer einzelnen Person gegenüberstehe, sondern halt einer Gruppe. So war es in der Schwimmgruppe, wo ich von den anderen keine Unterstützung im Konflikt bekomme, und es gab dieses Jahr noch eine andere aber teils ähnliche Situaton in anderem Zusammenhang. Das Resultat war jedenfalls auch da das gleiche: ich hab mich rausgezogen (allerdings war das etwas vielschichtiger und verstrickter, als die Schwimmsache).

Und was mach ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Muster durchbrechen klingt so gut, ist aber leider auch schwer. Vor allem, wenn sie aus eher schlimmen Erfahrungen entstanden sind.

Und sonst noch? Heute war ich das drölzigste Mal im Notariat – dieses Mal, um die Grundschuld für die Bank auf die Wohnung eintragen zu lassen. Im Gepäck hatte ich den rechtskräftigen Beschluss zur Namensänderung (und übrigens auch meinen vorläufigen Perso!). Damit kann ich nämlich jetzt die Vormerkung für die Eintragung ins Grundbuch auf den neuen Namen machen und muss es später im Grundbuch nicht noch ändern. Dazu hat der Notar* dann so aus dem Stegreif einen sehr komplizierten Satz handschriftlich in die Urkunde eingefügt. Der war so lang, dass eigentlich kein Platz dafür war und die Schrift wurde immer kleiner und kleiner. Ich musste ein bisschen lachen – und die Person, die das nachher entziffern muss tut mir auch ein bisschen leid. Jedenfalls steht da jetzt so etwas wie „Der Erschienene (also ich) beantragt unter Vorlage einer beglaubigten Ablichtung des Beschlusses xy des Amtsgerichts xy dass die Eintragung der Vormerkung und so weiter und so fort auf den Namen TOMI erfolgen soll“ (ich krieg es nicht mehr ganz zusammen, aber war allerschönstes Jurist*innendeutsch ;)). Die Kreditverträge habe ich am Mittwoch unterschrieben und kann darunter jetzt also auch einen Haken machen.

Begegnungen (2)

Das gestrige Erlebnis wirkt noch ein bisschen nach, aber ich bin dabei es abzuhaken. Ich hatte vor ein paar Wochen ja schon mal einer Person aus der Gruppe gesagt, dass der cishetero Typ mich seit einer Weile wie Luft behandelt und auch nicht mehr reagiert, wenn ich ihn anspreche und so – es kam nur ein „ach, das darf man bei dem nicht überbewerten“. Und gestern schrieb mir eine andere Person aus der Gruppe (mit der ich vorher schon gemailt hatte um mich zum gemeinsamen Kaffeetrinken „anzumelden“), sie würde sich um die „Launen“ dieses Typen einfach nicht mehr kümmern und es wäre aber natürlich verständlich, dass ich in „meiner Situation“ „besonders empfindlich“ reagieren würden. Was auch immer das bedeutet… ich zieh mich jetzt da raus. Kann sein, dass es auch mit den Erfahrungen zu tun hat, die ich in der Schule damals machen musste und die die Art und Weise wie ich mit anderen in Kontakt treten kann immer noch prägen, aber wie auch immer. Es gibt hier in der Stadt einen schwul-lesbischen Sportclub und ich gucke mal, ob ich da vielleicht Anschluss finde. Sie haben auch eine Radgruppe und Schwimmtraining gibt es auch. Vielleicht ist die Akzeptanz da ein bisschen höher, wobei sicher sein kann man sich leider nicht.

Aber neben der ätzenden Begegnung gestern gab es in den letzten Wochen auch ein paar nette Begegnungen die mich eher zum Schmunzeln gebracht haben.

Zum Beispiel mit einer DHL-Person. Ich lasse ja Lieferungen soweit möglich an die Packstation schicken, damit ich nicht in eine Filiale muss. Das ist erstens mit meinen Arbeitszeiten nicht immer so gut vereinbar und zweitens ist es mir unangenehm, dort den Ausweis vorzulegen. Ich ernte mittlerweile ja doch einige skeptische Blicke (bald ja zum Glück hoffentlich nicht mehr, denn der neue Ausweis ist ja in große Nähe gerückt :-)). Letzte Woche dann leider folgende SMS „Wir haben Ihre Lieferung an die Filiale xy umgeleitet“. Miiiist. Ich stelle mich drauf ein am nächsten Tag in die Filiale zu fahren.

Aber als ich aus der S-Bahn steige, wo die Packstation direkt am Bahnsteig ist, sehe ich dass der DHL-Transporter dort noch steht und die Lieferperson die Packstation gerade noch bestückt. Ich hab einen Sekundenbruchteil überlegt und die Person dann angesprochen ob ich die Lieferung vielleicht doch bekommen kann ohne in die Filiale zu müssen. Klar dass das mein „Ausweisproblem“ nicht löst, aber immerhin müsste ich dann nicht am Wochenende zur Filiale fahren. Ich halte der Person die SMS und meine DHL-Karte unter die Nase. „Wir gucken gleich mal, ob die noch im Wagen ist“. Ist sie. Die Lieferperson studiert noch mal die Karte, dann meinen Ausweis. „Sind Sie das wirklich auf dem Ausweis?“ – „Ja, aber ich bekomme bald einen neuen“. Ich halte den Atem an – uuuund… keine weiteren Nachfragen! Ich bekomme das Paket gegen eine Unterschrift und mache ich mich dann schnell ab durch die Mitte. Danke, liebe DHL-Person!

Dann letztens auf einer Feier mit Menschen, bei denen ich so semi-out bin. Einige dort haben mich das erste Mal noch vor Testo kennengelernt und wissen dass ich trans* bin. Ich komme mit einer Person ins Gespräch die ich bislang noch nicht kannte und deren Kinder auf die gleiche Schule gegangen sind wie ich. Es entspinnt sich ein Gespräch über meinen Namen, der für meinen Geburtsjahrgang nicht so ganz gewöhnlich ist. Die Person fragt nach, ob meine Eltern einen bestimmten Grund hatten, den Namen auszusuchen… „Nein“ – „Es gab da mal so einen Film…. Sind deine Eltern links?“ – „Ähm, nein“. Die Person philosophiert ein bisschen weiter und ich beschließe, die Situation zumindest ein bisschen aufzulösen indem ich sage, dass ich mir den Namen selbst ausgesucht habe. Wir reden also ein bisschen weiter über den Namen. „Und deinen alten Namen mochtest du nicht?“ – „Nö.“ – „Aber du redest nicht drüber warum“. Das war eine Feststellung, keine Frage. Egal, ich antworte trotzdem. „Es war ein Mädchenname“. Ich muss ein bisschen innerlich lachen, weil die Person in dem Moment schon etwas stockt und dann eins und eins zusammenzählt. Ja, manchmal macht es mir ein kleines bisschen Spaß verdutzte Gesichter zu sehen ;). Hätte ich jetzt in einem anderen Rahmen sicher nicht so gemacht, aber da ich dort halt ohnehin nicht so richtig „inkognito“ bin war es mir egal.

Danach haben wir uns jedenfalls sehr nett weiter unterhalten. Das war eine Person ungefähr im Alter meiner Eltern, denke ich. Wenn ich mir dagegen anschaue was der Typ vom Schwimmen so veranstaltet, der deutlich jünger ist, studiert hat, Beamter ist… zeigt mal wieder, dass Toleranz und Akzeptanz mit (formaler) Bildung und Alter wenig zu tun haben. Jedenfalls erlebe ich es ganz häufig so.

Luftschlösser

Mir hängt der Termin von Freitag immer noch nach und mir geht es nicht besonders gut. Die ganze Anspannung ist in meinen Rücken gewandert, wie immer, und ich kann mich kaum bewegen vor Schmerzen. Das ist doppelt quälend, weil ich mich über Bewegung und Sport ablenke, wenn ich meinen Kopf mal ausschalten will.

Rückenschmerzen wegradeln hat schon mal nicht funktioniert o.O

Mein Mann bemüht sich, freundlich zu sein (glaube ich), aber ich kann darauf überhaupt nicht eingehen. Ich habe immer nur im Kopf, dass er mir das verweigert, was ich eigentlich am dringendsten von ihm bräuchte: dass er aufhört, meine Identität zu negieren. Für ihn gibt es „Tomi“ nicht, sondern nur seine Frau und es ist ihm nicht möglich, wenigstens drauf zu verzichten, mir diese Rolle über die Sprache immer wieder einzuschreiben.

Sticks and stones may break my brittle bones, but words can never hurt me.

Ich empfinde das als eine Missachtung meines Selbst, für dessen Anerkennung – durch mich und andere – ich so hart gekämpft habe, und es tut mir weh. Mir ist klar, dass er mich nie anders sehen können wird, aber ich würde mir wünschen, er könnte wenigstens respektieren, dass ich diese Rolle nicht mehr eingeschrieben bekommen will durch ihn. Ich wünschte, er könnte verstehen, wie sehr mich das belastet. Gleichzeitig denke ich immer, ich habe nicht das Recht, deswegen verletzt zu sein. Dass man ja auch Verständnis für ihn haben muss. Ist ja auch schlimm, was ich da mit ihm veranstalte. Also sage ich nichts und halte es weiter aus.

Eine von den Sachen, die mir von Freitag auch noch nachhängen ist seine These, dass seine Nichtakzeptanz mir quasi nur deswegen so sehr auffallen würde, weil ich ja sonst überall akzeptiert würde und jede_r mich unterstützt (das ist jetzt etwas schräg und überspitzt dargestellt, ich bekomme seinen genauen Wortlaut nicht mehr zusammen). Ich hab ihn daran erinnert, dass er über mein Leben einfach nichts weiß. Gar nichts. Er hat mich nie danach gefragt, wie meine Freund_innen und mein Bekanntenkreis reagiert haben oder wie es mit dem Outing im Beruf gelaufen ist (das war vor fast zehn Monaten). Er hat mit „unseren“ Freund_innen seit dem letzten Jahr praktisch kein Wort mehr gewechselt – der einzige Kontakt war, dass er bei meinem Geburtstagsessen erstarrt neben mir saß und augenscheinlich lieber woanders gewesen wäre. Und trotzdem weiß er, dass mein Leben ein fröhlicher Streichelzoo ist. Das hat mich geärgert dieses „bei dir ist doch sonst alles super, jetzt komm halt mit meiner Zurückweisung klar“.

Und auch wenn er nicht ganz falsch liegt und ich viel Unterstützung und Akzeptanz erfahre, gibt es da auch ganz viele Zwischentöne. Es gibt so viel, das auch schwer ist. Die ganze Auseinandersetzung mit Behörden und Krankenkasse zum Beispiel. Es gibt Dinge, die mich traurig und betroffen machen – Menschen, die sich vor mir zurückgezogen haben, weil sie anscheinend nicht damit umgehen können, welchen Weg ich da eingeschlagen habe. Und das wischt er einfach so weg.

Und auch das habe ich versucht zumindest zeitweise „wegzuradeln“. Also bin ich trotz der Rückenschmerzen auf mein Rad (indoor, wegen des Regens) und habe mir dabei angeschaut, wie Michael Kessler mit dem Postrad über die Alpen fährt. Er fährt dabei auch das Stilfser Joch rauf und damit verbinde ich sehr viel (hier ist die Folge derzeit verfügbar). Ich erinnere mich daran, wie es sich anfühlte da rauf zu fahren – die Aufregung und Freude, der Schmerz und die Selbstzweifel, das Glücksgefühl, wenn man die letzte Kehre erreicht und weiß, dass man gleich oben ist. Und ich habe angefangen Pläne zu schmieden und Ziele zu stecken fürs nächste Jahr – zum Beispiel, das Stilfser Joch noch mal zu „bezwingen“. Vieles von dem, was ich mir das vorstelle sind Luftschlösser, geschuldet dem Drang auszubrechen und dem Wunsch mein Leben hier und jetzt einfach zurückzulassen…Eskapismus. Aber diesen Berg  mit seinen 48 Kehren noch mal hoch zu fahren, das ist ein realistisches Ziel. Ich muss nur das Problem lösen, mich und mein Rad da hinzubekommen.

Dass ich überhaupt so ins nächste Jahr gucken und Luftschlösser bauen kann, ist eigentlich schon ein kleines Wunder in sich. Noch vor gut einem Jahr konnte ich mir kaum vorstellen, den nächsten Tag zu überstehen. Das sind die kurzen Momente, in denen mir klar wird, wie weit ich eigentlich schon gekommen bin und wie viel sich verändert hat.

Post

Letzte Woche hatte ich Post aus der Vergangenheit. Von meinem gut drei Jahre jüngeren Selbst. Einem Selbst, das noch gut vier Monate vor dem ersten Hinterfragen der eigenen Geschlechtsidentität stand. Und fast 12 Monate vor dem inneren Coming Out als trans*männlich.

Ich habe diesen Brief damals am Ende eines Kurses geschrieben, in dem es um Stressabbau durch Achtsamkeit und Meditation ging. Ich war körperlich und psychisch am Ende. Das war die Phase, in der die Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die Erschöpfung mein Leben bestimmt haben. In dem Kurs bin ich ständig an meine Grenzen gestoßen. Achtsamkeit, Meditation – dieses „im Jetzt“ und „bei mir selbst“ sein habe ich nicht ausgehalten. Ich habe regelrechte Panikattacken bekommen, wenn ich in mich hineingehorcht habe. Manchmal bin ich ganz tief in mir drin an etwas gestoßen, das mir unglaubliche Angst gemacht hat. Heute denke ich, dass es vielleicht dieses „Geheimnis“ war, das ich so lange mit mir herumgetragen habe und das ich sogar vor mir selbst fast perfekt versteckt hatte.

In der letzten Stunde des Seminars sollten wir einen Brief an uns selbst schreiben. Die Kursleiterin versprach, dass wir ihn irgendwann im folgenden Jahr bekommen würden. Diesen Brief zu schreiben hat mich damals unglaublich viel Überwindung gekostet. Ich hatte mir nichts zu sagen, weil ich eigentlich kaum noch Hoffnung hatte, dass es für mich einen Weg zurück in ein irgendwie erträgliches Leben geben könnte. Ich weiß noch, wie ich da saß und um mich herum schrieben alle Zeile um Zeile auf ihre Briefbögen. An die Worte, die ich schließlich geschrieben habe, habe ich nicht wirklich geglaubt. Beinahe hätte ich ein leeres Blatt in den Umschlag getan.

Seitdem habe ich immer mal wieder an diesen Brief gedacht. Er kam nicht. Und irgendwie war ich ganz lange immer froh darüber. Irgendwann letztes Jahr war ich sicher, dass der Brief nicht mehr kommen würde. Nie losgeschickt, oder irgendwo verloren gegangen. Nicht schlimm. Hatte mir eh nichts zu sagen.

Nun ist er also doch da. Und ein bisschen habe ich doch über meine Worte gestaunt und ein wenig gegrinst innerlich. Im Nachhinein betrachtet sind sie viel richtiger und passender, als ich es mir damals vorstellen konnte.

Und dann schaue ich mir an, wie ich den Brief damals unterschrieben habe und frage mich, wieso ich eigentlich so lange gebraucht habe eins und eins zusammenzuzählen.

IMg