Urlaub gleich anders

Mein Urlaub ist schon fast wieder vorbei und insgesamt ist es ganz schön. Leider tendiert die Gästezahl für die Radtouren in dieser Woche gegen 1. Also habe ich Sonntag und Montag 1:1 Betreuung gehabt. Das ist einerseits natürlich sehr luxuriös, aber eigentlich finde ich es doch schöner in einer Gruppe zu fahren – gerade wenn man so 4-6 Stunden unterwegs ist, ist es schon auch anstrengend nur zu zweit zu sein. Auch die Essensrunde ist sehr geschrumpft, hauptsächlich sind jetzt noch Leute aus dem Team da und ein weiterer Gast. Alle sind zum Glück ganz nett – letztes Jahr waren im Vergleich echt ein paar ganz schlimme Typen dabei. Aber trotzdem merke ich, seitdem keine weiblichen* (also, von mir weiblich gelesenen) Gäste mehr dabei sind, dass die verbleibenden Personen sich unverhohlener sexistisch und teils homofeindlich äußern. Es sind meist „nur“ Witze, aber das ist halt auch perfide, denn jede Kritik daran lässt sich über ein „ist ja nur Spaß“ schön aushebeln. Insbesondere eine Person aus dem Team ist ganz vorne mit dabei. Diese Person ist schon über 80 und ich befürchte es ist ziemlich aussichtslos dagegen zu reden oder das gegenüber anderen im Team zu thematisieren. Mehr als ein „das darf man nicht so ernst nehmen“ wird es meiner Einschätzung nach nicht als Reaktion geben.

Und natürlich herrscht Heteronormativität galore – alle nehmen automatisch an, ich sei hetero. Ich find’s so anstrengend, auch weil ich jedes Mal wieder abschätzen muss wo es jetzt ohne negative Konseqzenzen möglich ist das zu korrigieren. Naja, alles wie immer also wenn ich mich aus meiner „bubble“ bewege.

Heute war Ruhetag und eigentlich wäre Ruhe wirklich gut für meine Beine gewesen. Fiel dann aber aus wegen „ist nicht“. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen mit dem Bus nach Palma zu fahren, aber ich habe schon beim Abfahrzeiten raussuchen gemerkt, dass es emotional schwierig ist. Das letzte Mal, als ich diese Tour gemacht habe war es gemeinsam mit meinem Mann und tja. Also habe ich ein paar Tränen vergossen und bin dann doch aufs Rad gestiegen (mit dem festen Vorsatz ganz langsam und locker zu machen). Es ist unheimlich tolles Wetter und die Landschaft hier ist so schön. Ich hab es noch nie so grün gesehen hier, es hat offenbar in den Sommermonaten auch mal geregnet. Ich bin eine schöne, aber nicht zu anspruchsvolle Strecke gefahren. Dass „Schönes an mich ranlassen“ dazu führt, dass ich traurig(er) werde stimmt leider immer noch. Also mehr Tränen. Ich glaube, die Traurigkeit kommt daher dass ich in diesen Momenten realisiere, dass es niemanden gibt mit dem ich das Schöne teilen kann – und auch, dass es niemanden mehr geben wird der dafür Sorge (mit)trägt, dass es mir gutgeht oder ich mich wohlfühle. Dafür muss ich selbst Sorge tragen und das erscheint mir gerade eine sehr große Last.

Kein Netz und kein doppelter Boden.

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Nicht nachdenken

Heute Mittag bin ich in ein Flugzeug gestiegen und plötzlich bin ich dort wo es warm ist und nach Zypressen riecht. Jetzt sitze ich hier im T-Shirt und kurzen Hosen auf meiner kleinen Terrasse und höre die Wellen plätschern. Ich kenne das Hotel und den Ort vom letzten Jahr, keine Experimente. Der Ort hier ist nicht unbedingt schön, aber es fühlte sich gut an zu wissen wo alles ist, zum Supermarkt zu stiefeln und alles noch da zu finden wo es letztes Jahr war.

Die Zypressen riechen so gut, das hatte ich ganz vergessen. Ich fühl mich in einem komischen Schwebezustand, nicht erst seit heute, aber wenn mir schöne Dinge und Gefühle begegnen, fällt es mir ganz besonder auf. Ich traue mich nicht, die schönen Dinge an mich ranzulassen aus Angst, dass sich als nächstes der emotionale Abgrund auftut. Irgendwie ist gerade jede Emotion zu viel und birgt die Gefahr dass ich falle. Also lasse ich den Zypressenduft nur an meiner Oberfläche kratzen und versuche, nicht in Leerlauf zu geraten.

Morgen geht’s aufs Rad und für heute Abend habe ich Strickzeug dabei. Wobei die Idee an meinem Schal weiterzustricken gestern im herbstlichen  Deutchland zugegebenermaßen attraktiver wirkte, als hier auf einer Terrasse mit Meerblick ;-).

Ain’t got no

Ich kann schon recht lange keine Musik mehr hören, ohne dass es mich emotional ziemlich destabilisiert. Also ziemlich ziemlich. Sobald ich Musik höre, die ich mag oder mal mochte, holt es die ganzen Gefühle hoch, die ich lieber nicht fühlen möchte; Erinnerungen, die ich nicht haben will. Es reicht ein Song manchmal und ich komme nicht mehr klar. Ich habe mich für den Moment damit abgefunden, dass es nicht geht. Ich höre keine Musik mehr.

Aber gestern im Tatort wurde am Ende ein Lied von Nina Simone gespielt: Ain’t got no/I got life. Es ist so ein großartiges Stück und obwohl ich auch mit der Musik von Nina Simone Erinnerungen verbinde, die mich sehr traurig machen, dieses spezielle Lied hat irgendwie keine Verknüpfung zu meiner Vergangenheit.

Also höre ich es seit Sonntag rauf und runter auf repeat.

Den Text findet ihr hier: https://www.azlyrics.com/lyrics/ninasimone/aintgotnoigotlife.html.

Nur kurz

Ich habe heute ENDLICH meine neue Rentenversicherungsnummer bei meinem Arbeitgeber abgeben können. Damit können nun auch die letzten Relikte im alten Namen geändert werden – meine Personalakte und die Gehaltsabrechnungen. Gute vier Monate habe ich drauf gewartet. Vorletzte Woche hatte ich mal telefonisch nachgefragt – irgendwas war schiefgelaufen und sie hatten die neue Nummer nicht rausgeschickt. Grmpf.

Das Telefonat war im übrigen etwas verwirrend. Ich hatte nämlich mittlerweile meine Adresse dort schon geändert und das wieder vergessen. Als die Person am Telefon nach der Adresse fragte, habe ich die alte gesagt. Die stimmte nicht mit der im System überein. Sie durfte mir glaube ich nicht sagen, welche Adresse sie hat weil das ja theoretisch jemand anderes hätte sein können. Datenschutz halt. Ich bin dann nur auf die Idee gekommen, dass es die GANZ alte Adresse sein könnte, bei der ich und mein Noch-Mann vorher gewohnt hatten. Ahem. Bis ich dann drauf kam, dass die dort schon die neue Adresse im System hatten hat es eine Weile gedauert o.O

Es könnte zwar sein, dass ich irgendwas vergessen habe – aber ich glaube tatsächlich, damit bin ich durch mit der Namensänderung. Mein „Transitionsprojekt“ nähert sich dem Ende. Ein merkwürdiges Gefühl, nach all den Veränderungen. Zum 1.1. werde ich, wie es aussieht nun tatsächlich noch meinen Job wechseln (intern) damit habe ich wohl einen ziemlichen Veränderungsrekord hingelegt in den letzten 24 Monaten.

Uff.

Und du bist…?

Die letzte Woche war so unglaublich lang… Ich hatte zwei Dienstreisen, eine innerhalb von Deutschland und eine im Ausland. Ich hab allein 14 Stunden in Zügen gesessen und viel zu viel Zeit an Flughäfen verbracht. Die Flugreise war die erste seit Namensänderung und Mastektomie und das hat zwei große Stressfaktoren rausgenommen. Die Angst, mit dem Binder in der Sicherheitskontrolle aufzufallen war schon eine ganz schöne Belastung. Tja. Und dann fiel mir am Tag des Flugs ein, dass ich jetzt zwar keine Brüste mehr habe, aber meistens einen sogenannten „Packer“ trage, damit je nach Hose nicht so auffällt, dass zwischen meinen Beinen …. naja …. nichts weiter ist ;-). Die Packer sind aus Silikon und zwar nicht besonders detailgetreu (meine jedenfalls), aber die Vorstellung damit im Sicherheitscheck aufzufallen war trotzdem nicht soooooo beruhigend :’D.

Eine kurze Umfrage in meiner Twitterbubble brachte gemischte Erfahrungen und Empfehlungen und auch die von einer lieben Twitterperson kurzerhand beim Flughafen Hamburg eingeholten Infos haben mich nicht wirklich beruhigt. Das worst case scenario wäre, dass der Packer als Gegenstand erkannt wird und man dann erklären muss, warum man einen Silikonpenis in der Hose hat. Naja – das allein fänd ich vielleicht nicht sooo schlimm, aber die Vorstellung dann in der Kabine das gute Stück begutachten zu lassen war mir doch eher zu viel :’D. Kurzentschlossen habe ich  mich also gegen Packer und für die gute alte Socke entschieden – ich dachte mir, wenn die auffällt muss ich wenigstens nicht den Packer auspacken o__O.

Die Socke ist jedenfalls nicht aufgefallen, weder beim Hinflug (Körperscanner), noch mein Rückflug. Dafür wurde das erste Mal ever meine Händesinfektion einkassiert, weil die Flasche 150 statt den erlaubten 100 ml hatte.

Die Flugreise ging zu einem Projektabschlusstreffen. Ich hatte einige Personen dort seit etwa 1.5 Jahren nicht mehr gesehen. Einen anderen Teil kannte ich nur von der Kommunikationsplattform, wo ich auch ein (etwas älteres) Foto von mir eingestellt hab. Es war irgendwie sehr lustig, dass mich einerseits die Leute die mich nur online kannten ansprachen: „Ah DU bist Tomi, endlich lernen wir uns mal persönlich kennen“ und andererseits Personen, die mich schon kannten aber länger nicht gesehen hatten nicht erkannten. Also gar nicht. Zu einer bin ich hingegangen und hab sie begrüßt und sie guckte irritiert auf mein Namensschild und erkundigte sich, von welcher Organisation ich komme *kicher*. Das ist ein paar Mal passiert und es hat mich sehr amüsiert.

Die unendlich lange Woche endete Freitagabend gegen 22:00 und dann kam das Wochenende, von dem Vergangenheits-Ich dachte, ich würde bestimmt Ablenkung brauchen (wegen Trennung und Umzug und so). Jedenfalls hatte Vergangenheits-Ich mich zu einem VHS-Kurs „Plastisches Gestalten“ angemeldet, der Samstag und Sonntag von 10-16 Uhr ging. Uff. Eigentlich hätte ich lieber auf der Couch rumgehangen (ICH HAB SEIT LETZTER WOCHE EINE COUCH!), bin aber doch hingegangen und hab alles andere – Einkaufen, Regale aufbauen (ICH HAB SEIT LETZTER WOCHE AUCH REGALE!) auf den Abend verschoben. Der Samstag war dementsprechend auch erst um 22 Uhr zu Ende – bis dahin war ich beschäftigt. Mein Noch-aber-bald-ex-Mann hat mir bei den Regalen zum Glück geholfen und es war eigentlich ganz okay.

Und jetzt hab ich also eine Couch, Regale, eine Tentakel aus Leichtmörtel und einen blauen Gipsklotz.

Aber immer noch keinen Kühlschrank.

Mastek Nachlese

Content note: Operation, Narben, Foto von Narben (Ausschnitt – ganz am Ende des Beitrags)

Mal was anderes – ich wollte ja schon längst mal ein kurzes Update zum Heilungsprozess nach der Mastektomie geben. Mittlerweile ist die OP ja… äh…13 Wochen her. Ich habe ca. 8-9 Wochen die Kompressionsweste getragen. Empfohlen waren 6 Wochen, aber ohne hatte ich zunächst doch noch hier und da Schmerzen (eher im Gewebe als in den Narben) und vor allem die transplantierten Brustwarzen waren noch ziemlich empflindlich, was Reibung angeht. Ich hatte sie daher tatsächlich auch noch ziemlich lange abgeklebt.

Und so ist es jetzt:

Schmerzen: Die Schmerzen im Gewebe sind verschwunden, wobei es um die Schnitte herum auf jeden Fall noch eine gewisse Druckempfindlichkeit gibt. Also, wenn ich da reindrücke oder am Gewebe ziehe, tut es schon noch weh. Die Brustwarzen sind immer noch sehr empfindlich, sowohl auf Druck als auch auf Reibung.

Beweglichkeit und Gefühl: Es wird langsam (Betonung auf langsam ;-)). Den vollen Bewegungsradius habe ich noch nicht zurück. Beim Schwimmen reicht es z.B. für den Brustarmzug, aber Kraularmzug geht noch nicht. Kaum Einschränkungen habe ich auf der Querachse, also wenn ich die ausgestreckten Arme parallel zum Boden halte und vor oder zurück bewege. Das macht noch leichte Spannung an den Narben, aber nicht viel. Eingeschränkter ist die Längsachse. Also, Arme über den Kopf geht noch nicht wieder so wie vorher. Da entsteht u.a. auch an den Brustwarzen ein Zug, den ich noch als sehr unangenehm empfinde. Da taste ich mich jetzt aber langsam mit ersten Dehnübungen ran.

Ich habe relativ wenig mit Taubheit der Haut/des Gewebes zu tun. Nur bei den Quernarben merke ich, dass ich zwar oben auf der Haut Gefühl habe, dass aber darunterliegende Gewebeschichten sich taub anfühlen. Ist etwas merkwürdig, aber nicht schlimm.

Narben: Sie sehen mittlerweile sehr anders aus, als noch am Anfang. Zunächst waren es sehr klar abgegrenzte Schnitte. Mittlerweile sind dort wo die Fäden waren und um die Schnitte herum Rötungen entstanden, sodass die Narben recht „verwaschen“ aussehen. Teilweise haben sich Knötchen und Verhärtungen gebildet, aber es sieht (glaube ich zumindest), nicht nach einer ungewöhnlichen Narbenentwicklung aus. Besonders knubbelig und hart sind die Narben auf dem Brustbein (davon habe ich unten ein Foto eingestellt). Unter den Armen, wo die Fäden endeten ist es sehr weich, aber die Haut steht dort immer noch ab. Stellt Euch vor, Ihr würdet ein Stück elastischen Teig mit den Fingerspitzen nach oben ziehen – so in etwa sehen die Zipfel aus, die ich da habe. Die Narben rund um die transplantierten Brustwarzen schwellen durch die Reibung vom T-Shirt tagsüber immer noch deutlich an…wie so Schwimmreifen. Fällt aber nicht so auf. Ich massiere momentan abends immer mit Öl (gerade Argan und Lavendel). Morgens habe ich nicht so viel Zeit, da tue ich nur eine Fettcreme drauf, die auch u.a. Lavendelöl enthält. Ähm ja, deswegen glänzt auf dem Foto auch alles :D.

Die kleine offene Stelle, mit der ich ja noch etwas länger zu tun hatte ist mittlerweile auch gut verheilt. Ich habe sie, nachdem sie das dritte Mal wieder offen war konsequent abgeklebt für ca. 2 Wochen glaube ich. Jedenfalls ist sie jetzt zu und ich traue mich auch, dort etwas Zug aufs Gewebe zu bringen.

Okay, ich wollte eigentlich keine Fotos posten aber nun mache ich es doch. Eventuell nehme ich es später wieder raus. Es ist ein Ausschnitt davon, wie die Narben ums Brustbein herum aussehen.

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Und nein, das ist keine verrutschte Brustwarze sondern ein Cent-Stück ;-).

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Weitermachen

Es tut mir leid, dass es hier so ruhig ist im Moment. Dabei gäbe es einiges zu schreiben (also, nichts großes…einfach viele kleine Alltagsdinge)! Aber ich habe gerade so viel zu tun und so viele Termine, dass ich Abends nur noch ins Bett falle. Aber je mehr und je länger ich „mache“, desto größer wird der Abstand zum Auszug und umso dumpfer hoffentlich auch der Schmerz, bis er dann hoffentlich irgendwann kaum noch zu spüren und aushaltbar ist. Es ist schon besser. Die zweite Woche war nicht so schlimm wie die erste. Die dritte Woche nicht so schlimm wie die zweite.

Ja, es sind schon fast drei Wochen jetzt. Ich habe mittlerweile eine Küche und sie ist schön! Leider habe ich immer noch keinen Kühlschrank, das ist minimal unpraktisch. Und es gibt weder Couch noch Stühle – die sollen Anfang November kommen. Das ist jedenfalls auch ein bisschen unpraktisch und die Idee, dass ich ja statt Couch gut mit dem Sitzsack über die Runden käme war in der Theorie irgendwie besser, als in der Praxis. Aber nächste Woche bin ich komplett auf Dienstreise (bzw. zwei Dienstreisen) und danach werde ich kurz entschlossen doch noch „richtigen“ Urlaub machen. (Ich bin gerade doch ziemlich mit meinen Kräften am Ende und schon die Dienstreise letzte Woche hat mir ganz schön zugesetzt). Auf jeden Fall kommt, wenn ich wieder da bin, dann auch die Couch und ich kann endlich wieder gemütlich auf selbiger rumhängen ;-).

Keine richtige Ruhe lässt mir mein immer-noch-Mann. Alle paar Tage meldet er sich wegen irgendwas. Holt was ab, bringt was. Eigentlich wünsche ich mir Abstand, aber ich finde es – wie immer – schwer, meinen Wunsch zu kommunizieren. Ich verstehe nicht wirklich, was er will. Beziehungsweise – er will wahrscheinlich einfach nett sein. Aber gleichzeitig schafft er es immer noch nicht (und wird es wohl auch in diesem Leben nicht mehr schaffen), mich mit meinem Namen anzureden oder anzuschreiben. Das wäre für mich tausendmal wichtiger für das Gefühl eines wertschätzenden Umgangs, als eine angebrachte Lampe.

Naja. Immerhin sitz ich nicht im Dunkeln.